Spielregeln für Spielzeugfabriken

Mehr als 80% der in Europa verkauften Spielsachen werden derzeit aus China importiert. Die Produktion ist kostengünstig für Konzerne, doch menschenunwürdig für ArbeiterInnen.

Von Claudia Bonk
Das Rennen um Aufträge bekannter Spielzeug-Marken wie Mattel, Hasbro, Lego, Chicco etc. ist hart. Um mithalten zu können, ignorieren die BesitzerInnen der schätzungsweise 6.000 Spielzeugfabriken, die fast ausschließlich im Pearl River Delta der südlichen Provinz Guangdong angesiedelt sind, in aller Regel den für die Region gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn von knapp 800 Yuan (etwa 78€) im Monat. Vom extrem niedrigen Lohn werden den ArbeiterInnen fast immer automatisch Kosten für erbärmliche Fabrikunterkunft und fast ungenießbares Essen abgezogen. Die ArbeiterInnen schaffen es nicht einmal mit den vielen illegalerweise erzwungenen und häufig nicht korrekt abgegoltenen Überstunden, genug Geld für sich und ihre Familien zu verdienen.

Eine Arbeiterin berichtet: "Wir arbeiten jeden Tag bis 21 Uhr. Wir hatten noch keinen freien Tag diesen Monat. Unsere Überstunden sind verpflichtend, nicht freiwillig. Oftmals ist es sehr ermüdend und ich habe keine Lust, während der Nacht zu arbeiten. Aber wenn ich nicht gehe, wird mich der Vorarbeiter wegen ‚Schwänzens' mit dem Abzug von drei Tageslöhnen bestrafen." Obwohl das chinesische Arbeitsrecht eine 40-Stunden-Woche, Sozialversicherung und eine beschränkte Zahl an Überstunden vorsieht, halten sich neun von zehn Fabriken in China nicht daran.

Manche der meist sehr jungen Frauen, die als Wanderarbeiterinnen zum Geldverdienen aus dem Inneren Chinas kommen, halten den unerbittlichen Bedingungen nicht stand. Zusammenbrüche am Fließband sind noch harmlosere Ereignisse. Tod durch Erschöpfung ist das schlimmere Phänomen, für das es ein eigenes Wort gibt: "Guolaosi".

Gesundheits- und Sicherheitsstandards werden meist nicht eingehalten. Häufig haben die ArbeiterInnen keinen Atemschutz, wenn etwa Plastikfiguren mit giftigen Lacken bemalt werden. Erkrankte ArbeiterInnen werden einfach vor die Tür gesetzt.

Auch gesetzlich vorgeschriebene Sozialleistungen wie Krankenstand, bezahlter Urlaub oder Mutterschutz werden ignoriert.

Viele Spielzeugunternehmen sowie der internationale Verband der Spielzeugindustrie ICTI haben ihre eigenen Verhaltenskodizes eingeführt, mit denen sie die Einhaltung bestimmter arbeits- und menschenrechtlicher Standards in der Produktion sichern wollen. Doch bei den normalerweise angekündigten Kontrollen der Fabriken werden die ArbeiterInnen angehalten zu lügen bzw. bedroht, falls sie die Wahrheit sagen sollten. Häufig existieren zwei Sets Lohnabrechnungen und Lochkarten für die MitarbeiterInnen, von denen die geschönten, d.h. die mit den höheren Löhnen und wenigen Überstunden, den PrüferInnen vorgelegt werden.

Um diesen Missständen entgegen zu wirken, haben sich die entwicklungspolitische Organisation Südwind in Österreich und PartnerInnen aus Frankreich, Tschechien, Polen und Rumänien zusammen getan. Ab 3. Dezember 2009 werden die Organisationen im Rahmen der Kampagne "Spielsachen fair machen!" Medien und KonsumentInnen über die notwendigen Spielregeln für die Industrie informieren und den Dialog mit Spielzeugfirmen suchen.

Mehr dazu unter www.spielsachen-fair-machen.at

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