Spôjmaï Zariâb: Wenn Katzen Menschen werden

Von Katrin Ruchti-Fehr
Erzählungen. Aus dem Dari übersetzt von Jutta Himmelreich. Insel Verlag, Frankfurt/M. 2005. 112 Seiten, EUR 14,80

Zeitgenössische afghanische Literatur handelt fast ausschließlich von Leid, Flucht und Zerstörung. Auch die Texte der 1949 in Kabul geborenen und jetzt in Frankreich lebenden Spôjmaï Zariâb bilden hier keine Ausnahme. Im Gegensatz zu vielen Afghanistan-Büchern, die derzeit auf dem Markt sind, tut sie dies aber in einer Form, die literarisch zu überzeugen vermag.
Nun ist erstmals ein Buch der Autorin – es handelt sich um einen Erzählband – in deutscher Übersetzung erschienen. Darin sind die patriarchalischen Strukturen allgegenwärtig. In der Geschichte „Der Hahn“ wünscht sich die Ich-Erzählerin, ein kleines Mädchen, alle Männer würden erblinden. Sie hat nämlich die Erfahrung gemacht, dass sich ihre Mutter nur in Gegenwart eines blinden Bekannten völlig entspannt und sich nicht hinter dem Schleier verstecken muss. Die Folgen des Krieges offenbaren sich in „Generalmobilmachung“. In der Geschichte „Der Goldring“ ist es ein Knabe, der Macht ausübt. Doch trotz der männlichen Dominanz bewahren die Frauen stets ihre Würde.
Obwohl im Exil geschrieben, reflektieren Spôjmaï Zariâbs Geschichten genau die gesellschaftlichen Verhältnisse in ihrer Heimat. Dabei stehen Frauen und Kinder im Zentrum des Geschehens. Die Autorin schreibt beklemmend real und mit melancholischem Grundton, aber wunderbar poetisch und mit empfindsamem Blick für Zwischentöne.

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