Studien zur Welt

Globale Zusammenhänge ganzheitlich zu betrachten – das lernt man im Rahmen des Masterstudiums Global Studies an der Uni Graz.

Von Nora Holzmann
Studierende der Global Studies: Der erste Generation ist nun dabei, ihren Master zu absolvieren.

Klimawandel, Armut, Migration: Die globalen Herausforderungen sind komplex. Entsprechend vielschichtig muss auch deren Studium sein. Die Global Studies an der Karl-Franzens-Universität in Graz werden diesem Anspruch gerecht. Dank des Engagements vieler verschiedener Personen, darunter Karl Kumpfmüller, früherer Leiter des Friedensbüros der Stadt Graz, konnte 2003 ein Wahlfachschwerpunkt zu Global Studies ins Leben gerufen werden. 2010 wurde ein Masterstudium daraus. Studiert werden kann es von all jenen, die bereits einen Bachelor in relevanten Studienrichtungen wie etwa Kultur- und Sozialanthropologie, Betriebswirtschaft oder Jus haben. Mittlerweile sind 233 Studierende auf ihrem Weg zum Master der Global Studies. Die erste Generation beendet jetzt ihr viertes und letztes Semester. „Unsere Pioniere“ nennt Peter Teibenbacher sie. Er ist Vorsitzender der Curricula-Kommission und Studienleiter. „Bei Global Studies geht es um eine Horizonterweiterung und einen Perspektivenwechsel. Die Frage der globalen Zusammenhänge steht im Mittelpunkt“, erklärt Teibenbacher. „Was bedeutet es zum Beispiel, wenn die so genannten entwickelten Länder sich selber eine Krise schaffen? Welche Auswirkungen hat dies auf die weniger entwickelten Länder?“

In der Basislehrveranstaltung, die alle Studierenden absolvieren müssen, unterrichten unter anderem Lehrende aus den Bereichen Völkerrecht, Demografie, Ökonomie und Klimaforschung. Der interdisziplinäre Zugang des Studiums soll vernetztes Denken fördern. Danach wählen die Studierenden ihre Spezialgebiete, zum Beispiel Recht und Politik oder Kultur und Gesellschaft.

Lena Bader, die zur ersten Generation der Global Studies-Studierenden gehört, findet es gut, dass verschiedene Disziplinen im Studium vereint werden. Dies habe aber auch Nachteile, so die Studierendenvertreterin: „Die Community-Bildung ist schwach. Wir würden uns gern mehr als Gemeinschaft fühlen.“ Dass die Global Studies kein eigenes Institut haben, sondern am Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte angesiedelt sind, verstärkt diesen Effekt. Peter Teibenbacher dazu: „Bis zu drei Viertel der Lehrveranstaltungen können sich die Studierenden aus dem Angebot verschiedener Fakultäten und Institute aussuchen. Das Studium lässt sich nur auf diese Art und Weise finanzieren.“

Doch als StudentIn der Global Studies sitzt man ohnehin nicht nur in Hörsälen. Ein Semester muss man der Praxis widmen, idealerweise im Ausland. Johannes Heinrich, der auch zu den „Pionieren“ des Studiums gehört, hat sein Praktikum am österreichischen Konsulat in China absolviert. Was gefällt ihm an den Global Studies? „Man bekommt ziemlich gut mit, wie die Welt funktioniert.“ Heinrich steht schon mit einem Fuß im Berufsleben. Derzeit entwickelt er einen „Kultur-Guide“ für ein Unternehmen und dessen AuslandsmitarbeiterInnen.

Den AbsolventInnen stehen viele Berufsfelder offen, so Teibenbacher: „Sie können in der Entwicklungszusammenarbeit, in der Diplomatie oder in der Wirtschaft tätig werden.“ Wie sieht die Zukunft von Global Studies aus? Teibenbacher möchte aus dem derzeitigen Masterstudium ein Joint-Study-Programm machen. Gemeinsam mit Universitäten außerhalb Europas kann so der internationale Charakter des Studiums verstärkt werden.

Die Einschnitte, die das Studium der Internationalen Entwicklung in Wien erfahren musste (das Bachelor-Studium wurde Mitte Juni abgeschafft; Anm. d. Red. Siehe auch SWM 06/2012), bezeichnet der Studienleiter als „bedrückend“. Von Kürzungsszenarien sei man bei den Global Studies zum Glück weit entfernt. Nichtsdestotrotz lebt das Studium von engagierten Personen, auf Seite der Lehrenden wie auf Seite der Studierenden. Peter Teibenbacher wünscht sich, dass es so bleibt: „Global Studies sollen jene Leute belegen, die sich auch wirklich engagieren wollen.

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