Süd-Filme auf der Viennale

Von 21. Oktober bis 3. November findet wieder das internationale Filmfestival Viennale in Wien statt. Hier eine Auswahl an Filmen, die Südwind Magazin-LeserInnen interessieren könnten.

Von Michaela Krimmer
„Alamar“

Aus den Ländern des Südens gibt es auf der Viennale einige Beiträge: vor allem aus lateinamerikanischen Ländern wie Argentinien und Mexiko sowie aus asiatischen Ländern wie China oder Thailand. Aus Afrika scheint dieses Jahr kein Film dabei zu sein. Besonderer Höhepunkt ist der diesjährige Gewinner der Goldenen Palme in Cannes: „Lung Boonmee Raluek Chat“ des thailändischen Regisseurs Apichatpong Weerasethakul. Die Handlung: Der sterbenskranke Onkel Boonmee ahnt, dass ihm nur noch wenig Zeit bleibt. Er macht sich deshalb in den Nordosten Thailands auf, um dort im Kreis seiner Familie auf den Tod zu warten. Weerasethakul ist dafür bekannt, seine Filme dem rationalen Denken zu entziehen. Er macht ein Kino der Gefühle und Stimmungen, der Reise ins Mythische und Unterbewusste.

Mythisch mutet auch der brasilianische Film „Estrada para Ythaca“ an. Ein Mann ist gestorben. Seine vier Freunde, die vier Regisseure selbst, begeben sich nach einer durchzechten Nacht auf eine Reise zum mythischen Ythaca. Doch diese Reise scheint ins Nirgendwo zu gehen, die Suche scheint etwas zu betreffen, das bereits am Anfang des Films vorhanden ist. Der Film beweist, dass Sprunghaftigkeit ein künstlerischer Stil ist.

Der Film „Alamar“ des mexikanischen Regisseurs Pedro González Rubio spielt an der mexikanischen Maya-Küste, in dem traumhaften Naturschutzgebiet Banco Chinchorro. Lange, weiße Sandstrände, türkisblaues Meer, grelles Sonnenlicht. In dieser paradiesischen Umgebung, die nur von einigen Fischern bewohnt wird, zeigt Alamar die Beziehung zwischen einem jungen Mann und seinem kleinen Sohn. Sie machen eine letzte Reise zusammen, bevor der Sohn mit seiner Mutter nach Italien aufbricht. Der Film pendelt zwischen Hippie- und Dokumentarfilm: ein Mann, sein Sohn und die Natur, mit der sie eins werden.

Ein weiterer lateinamerikanischer Spielfilm beschäftigt sich mit dem Thema der Reise. Die junge costa ricanische Filmemacherin Paz Fábrega zeichnet in ihrem Film „Agua Fría de Mar“ das Bild einer einsamen Frau. Diese fährt mit ihrem Mann an die südliche Pazifikküste Costa Ricas. Dort treffen sie ein Mädchen, dass erzählt, es sei weggelaufen, da ihr Onkel sie misshandle. Als sich am nächsten Tag die Geschichte als Schwindelei herausstellt, beginnt für die Protagonistin eine Konfrontation mit ihrer eigenen Einsamkeit.

Der Dokumentarfilm „Cuchillo de Palo“ deckt ein dunkles Kapitel der Geschichte Paraguays auf. Unter der Diktatur Alfredo Stroessners im Paraguay der 1980er Jahre will der Onkel der Filmerin nicht in die Fußstapfen seines Vater und seiner Brüder treten und Schmied werden. Er möchte Tänzer sein. Bei ihrer Suche nach den Gründen seines frühen Todes entdeckt sie, dass ihr Onkel Teil der Liste 108 war. Dort ließ das Regime alle Homosexuellen auflisten. Ihr Onkel wurde verhaftet und gefoltert. Heute noch werden Homosexuelle in Paraguay „108“ genannt. Doch die wenigsten wissen noch, oder verschweigen, woher dieser Name kommt, stellt die Regisseurin zu ihrem Film fest.

Der Dokumentarfilm „Vapor Trail (Clark)“ untersucht die Folgen von Umweltverschmutzungen rund um einen ehemaligen US-amerikanischen Militärstützpunkt auf den Philippinen. Die Geschichte steht als Symbol für historische Amnesie, koloniale Privilegien und die Auswirkungen eines unkontrollierten Militarismus.

Viennale-Programm ab 12.10. online: www.viennale.at

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