Süßes aus Nicaragua

Die weltberühmte Zotter-Schokolade aus der grünen Steiermark wird in Zukunft auch biologisch hergestellten Kakao aus Nicaragua enthalten. Ein sinnvolles Projekt einer Zusammenarbeit, die aus der Solidaritätsbewegung entstand.

Von Werner Hörtner
Josef Zotter, der Mann aus der Oststeiermark, der seiner Schokolade Charakter und mittlerweile schon Weltruhm verlieh, dessen Konterfei die Titelseiten renommierter Magazine zierte, ist immer offen für Neues. Und so wurde er auch neugierig, als Anfang 2006 der langjährige Aktivist der Nicaragua-Solidarität aus Braunau, Bruno Plunger, an den Herrn der unkonventionellen Qualitätsschokolade herantrat, von Nicaragua erzählte und dass es dort auch Kakao-Bauern gäbe, die in schlechten ökonomischen Verhältnissen lebten, und ob nicht …
Josef Zotter fuhr kurz entschlossen im April in dieses entlegene, unwegsame Gebiet an der Grenze zu Costa Rica, im Gebiet des Flusses San Juan, und sah sich die Situation an Ort und Stelle an. "Dann hat Herr Zotter eine Absichtserklärung unterzeichnet, in der er sich verpflichtete, vorerst für einen Zeitraum von fünf Jahren unseren Kakao zu beziehen, unter der Bedingung, dass wir uns der Zertifizierung für biologischen Kakao und der des Fairen Handels unterziehen", freut sich Sofia Castillo Duarte, die Koordinatorin von drei Genossenschaften der Kakao produzierenden Familien.
Die Zertifizierung als biologisch hergestelltes Produkt ist mittlerweile bereits durch die peruanische Organisation Via Latina, die von der EU approbiert ist, erfolgt. Der langwierige Zertifizierungsprozess durch Fairtrade, der im Oktober 2006 gestartet wurde, befindet sich in seiner letzten Phase, dem Besuch der Inspektoren aus Europa.

Nicaragua besitzt mit ca. 350.000 Hektar die größte für den Kakaoanbau geeignete Fläche in ganz Mittelamerika, doch wird nur ein kleiner Teil davon, an die 6.500 ha, tatsächlich genutzt. Der Krieg in den 1980er Jahren, die Unsicherheit in den Konfliktregionen, die Hurrikane Joan im Jahr 1988 und Mitch zehn Jahre später und schließlich auch noch die Pilzkrankheit Moniliasis haben zu einem starken Rückgang der Kakaoproduktion geführt. Jährlich gehen etwa 1.000 Tonnen Kakaobohnen auf den Markt, 40% davon in den Export.
In den 1990er Jahren kam es durch eine Organisierung der kleinflächig pflanzenden Kakaobauern zu einer Reaktivierung des Anbaus. Es folgten Jahre der Ausbildung, der technischen Befähigung, der Begleitung durch Fachleute. Aus Österreich fördern die Initiative Eine Welt Braunau und Horizont3000 diesen Prozess, in dessen Mittelpunkt die Hinführung zu und die Vermarktung von hochwertigen Bio- und Fairtrade-zertifizierten Kakaobohnen steht.
Im Dezember 2006 und April 2007 erfolgten erste Probelieferungen an die Firma Zotter, die offenbar zur Zufriedenheit des Schokoladenkünstlers ausfielen, und im vergangenen August verließ die erste formelle Lieferung per Schiff das mittelamerikanische Land.

Für den vergangenen September lud Josef Zotter - auf seine Kosten - zehn Kakaobauern und
-bäuerinnen aus Nicaragua in die Steiermark ein - für die meisten von ihnen die erste Auslandsreise. Zwei Wochen lang konnten sie sich in der Schokolademanufaktur in der Nähe von Riegersburg davon überzeugen, was dort aus ihrer Kakaobohne entsteht. Sofia Castillo resümiert: "Dieser Besuch animiert uns zu noch besserer Arbeit; für den Markt in Nicaragua wird eine solche Qualität ja gar nicht verlangt."
Zotter zahlt für die Tonne Kakao 4.300 Euro, das ist das Dreifache des Weltmarktpreises. "Den Kaufpreis erhalten unsere drei Verbände", berichtet Sofia Castillo. "In dieser ersten Phase ist es für uns wichtig, Kapital für die Lagerung und die Vermarktung anzuhäufen. Der Produzent bekommt einen sehr guten Preis garantiert, während der bei den Genossenschaften verbleibende Gewinn für Strukturmaßnahmen und zur Verbesserung der Lebensumstände der Familien eingesetzt wird."
Heuer, das ja noch ein Probejahr ist, werden 50 Tonnen Kakaobohnen in die Steiermark verschifft, für nächstes Jahr ist eine Steigerung auf 100 t vorgesehen, dann will man die Menge auf 300 bis 400 t erhöhen. In den drei Produzentenverbänden sind derzeit an die 600 Familien zusammengeschlossen, doch werden in Zukunft die Anbauflächen ausgeweitet und technologische Verbesserungen durchgeführt.
Die Zotter-Manufaktur verarbeitet auch Kakaobohnen aus Ecuador, der Dominikanischen Republik und Brasilien, die jetzt noch vermischt werden. Für die Zukunft ist angedacht, genügend Rohstoff aus den einzelnen Ländern zu beziehen, um dann länderspezifische Schokoladen erzeugen zu können.

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