Susan Arndt und Antje Hornscheidt (Hg.): Afrika und die deutsche Sprache

Ein kritisches Nachschlagewerk

Von Anke Schwarzer
Unrast Verlag, Münster 2004, 268 Seiten, EUR 16,-

Die Wechselwirkung von Sprache und Rassismus ist schon ab und zu analysiert worden. Susan Arndt und Antje Hornscheidt legen aber nun mit ihrem Buch „Afrika und die deutsche Sprache“ eine besonders interessante Fassung vor: Sie haben das Buch als Nachschlagewerk konzipiert. Über 30 kolonial und rassistisch geprägte Begriffe, von „Animismus“ über „Schwarzafrika“ bis „Zivilisation“, werden kritisch diskutiert. Die Autorinnen beleuchten die Entstehungsgeschichte der Wörter, erläutern die Einträge in verschiedenen Wörterbüchern und zeigen zuweilen auch Alternativen auf, wobei sie richtigerweise nicht davon ausgehen, dass das bloße Ersetzen von rassistischen Wörtern dem Rassismus ein Ende bereitet. Nicht immer überzeugt die Argumentation, etwa wenn die Bezeichnung „subsaharisches Afrika“ als rassistisch verworfen wird, weil sie unterschiedliche Staaten in einen Topf werfe. Das ist Oberbegriffen wie etwa Nordeuropa oder Mittelamerika nun einmal eigen, oder?
Die Autorinnen zeigen eine lange Liste von Abwehrstrategien auf, mit denen viele Weiße begründen, warum sie lieb gewonnene Worte wie „Mischling“ oder „Stamm“ auch weiterhin benutzen wollen. Zum Beispiel wird dann angeführt, dass es sich doch um historisch gewachsene Wörter handele, die Wirklichkeit einfach abbilden oder dass sie auch Schwarze kennen würden, die diese Begriffe verwendeten.
Die Autorinnen weisen darauf hin, dass Weiße das Privileg haben, frei zu entscheiden, ob sie sich mit Sprache auseinandersetzen wollen oder nicht. Viele Schwarze hingegen empfänden rassistisches Sprechen als Gewalt, das ihnen unaufhörlich resistenzbildende Energie abverlange. Das Buch, das vor allem für Multiplikatoren wie LehrerInnen und JournalistInnen gedacht ist, regt dazu an, sich mit der eigenen Position, Verantwortung und Macht beim Sprechen auseinander zu setzen.

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