Tabubruch

Informationstechnologie und genmanipulierte Pflanzen sollen dem Süden helfen, sagt der neueste UNDP-Bericht.

Von Lydia Matzka
Der neue UNDP-Bericht (Human Development Report 2001) sorgt für große Aufregung. Gerade das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, das immer für einen sozialverträglichen Fortschritt eingetreten ist, bricht ein Tabu, indem es Hightech statt angepasster Technologien fordert und sogar den Einsatz von genmanipulierten Agrarpflanzen zur Diskussion stellt. Die AGEZ, Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit und Dachverband der österreichischen entwicklungspolitischen NGOs, kritisiert den Vorstoß: "Gentechnik wird das Problem des Hungers verschärfen anstatt es zu lösen."

Jedes Jahr wird ein bestimmtes Thema (Frauen, Menschenrechte, Globalisierung...) auf die Frage nach dem Nutzen für die menschliche Entwicklung untersucht. Der UNDP-Bericht 2001 setzt sich mit dem Thema Technologie auseinander. So weist Mark Malloch Brown in seinem Vorwort auf die Gefahr hin, dass sich Entwicklungländer, was die "explosionsartig zunehmenden technischen Neuerungen auf den Gebieten der Ernährung, der Medizin und der Information" betreffen, sich selbst marginalisieren werden. Deshalb schlägt er vor, dass sich die Staaten des Südens den Möglichkeiten der neuen Computer-, Telekom- und auch Gentechnologien öffnen. Gleichzeitig aber warnt er vor Patentrezepten: "Das Schlimme ist, dass es keine simple, allgemein gültige Anleitung gibt." Daher müssten Entwicklungsländer "einen eigenen Prozess der Wissensbildung und des Aufbaus von Kapazitäten in Gang setzen".

Hat das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen nun resigniert und dem Druck internationaler Konzerne nachgegeben? Anders gefragt: Wer glaubt ernsthaft, dass sich Entwicklungsländer auf Dauer den Möglichkeiten des technologischen Fortschrittes verschließen werden können bzw. dies auch wollen? Der Bericht versucht einen Mittelweg zu finden, zwischen der Verdammung neuer Technologien und deren blinder Übernahme.

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