Talentebörse Mosambik

Vor knapp zwei Jahren kam dem österreichischen Musikproduzenten Maximilan Kamenar eine zündende Idee: Stimmen aus Mosambik werden per Internet anderen MusikerInnen zum Mixen zur Verfügung gestellt.

Von Martina Weinbacher
Maximilian Kamenar mit jungen Talenten.

Was passiert, wenn einzigartige Stimmen afrikanischer MusikerInnen mit dem Know-how und der Leidenschaft weltweiter Musikproduzenten zusammentreffen?“ Das fragte sich der österreichische Musikproduzent Maximilian Kamenar, als er 2011 das Musikprojekt Remix Inhambane ins Leben rief. 30 Remixes von etwa 80 MusikerInnen aus der ganzen Welt und eineinhalb Jahre später kennt der Musiker die Antwort: „Es entsteht ein nicht zu bändigendes, kreatives Potenzial, dessen positive Kraft nicht mit Geld zu bewerten ist.“

Alles begann 2010 in der mosambikanischen Küstenstadt Inhambane. Dort half Kamenar mit Hilfe von UNESCO-Geldern im städtischen Haus der Kultur das Musikstudio Bom Dia aufzubauen. Leiter des Projekts war ein Freund aus Österreich, Roland Pickl, der seit einigen Jahren in Zusammenarbeit mit NGOs Musikworkshops zum Thema HIV in den Schulen des südostafrikanischen Landes anbietet. Gerade als Max nach getaner Arbeit seine Rückreise nach Österreich antreten wollte, kam Paolo Vumo durch die Tür des Musikstudios: „Ich hab schon von dir gehört. Ich hätte einen super Song. Kannst du ihn für mich produzieren?“, erinnert sich Kamenar an die ersten Worte des mittlerweile guten Freundes. Aus Zeitmangel entschloss sich der österreichische Musiker kurzerhand, Vumos Stimme aufzunehmen und die Nummer zuhause fertig zu stellen.

Im darauffolgenden Jahr kehrte er mit dem Song „Ndza ku Rhanza“ im Gepäck, in zwei Versionen mit Paulos Stimme, nach Inhambane zurück. Vumo war begeistert, und die positiven Rückmeldungen aus Österreich und Mosambik häuften sich.

Er alleine könnte unmöglich mit allen SängerInnen produzieren, wusste der Musiker: „Aber indem ich nur die Stimmen mit Metronom und Backing-Track aufnahm, könnte ich in kürzester Zeit das große kreative Potential der Menschen sammeln und es über das Internet einer Vielzahl von MusikerInnen zur Verfügung stellen.“ So würde sich nicht nur für die meist finanziell mittellosen afrikanischen KünstlerInnen die Möglichkeit eröffnen, mit Musikschaffenden aus anderen Weltgegenden zusammen zu arbeiten, erkannte Kamenar: „Gleichzeitig könnten viele elektronische Musiker und Musikerinnen, die oft allein in Ihren Homestudios sitzen, von den Klängen aus Afrika inspiriert werden.“

Geschrieben werden die Lieder von den afrikanischen Interpreten. Auf Anfrage stellt Kamenar die originalen Gesangsspuren zur Verfügung. Wie der Song arrangiert und in welcher Stilrichtung er umgesetzt wird, bleibt den Remixern überlassen. Erwirtschaften die Produktionen zukünftig Einnahmen, will Kamenar diese fair aufteilen: „Wir haben uns auf ein einfaches Modell geeinigt. Sänger, Produzenten und Organisatoren bekommen jeweils ein Drittel der Einnahmen.“

Aufgrund fehlender KünstlerInnenvertretungen und Lizenzvereinbarungen in Mosambik übernimmt Remixinhambane.com zusätzlich für die afrikanischen SängerInnen den administrativen Aufwand. „Wir stellen sicher, dass sie zukünftige Erlöse bekommen“, erklärt der Projektinitiator.

Auf der Website des ambitionierten Projekts können sämtliche Gesangsaufnahmen aus dem Studio Bom Dia angehört werden. Die 30 fertigen Remixes sind allerdings noch unter Verschluss. Doch schon bald soll ein erstes Album auf den Markt kommen, freut sich Kamenar: „Wir arbeiten noch daran, das Album bestmöglichst auf die Füße zu stellen. Außerdem sind wir auf der Suche nach Partnern.“ Von der finanziellen Unterstützung bis zur Promotion des Projekts etwa durch Medien oder Communities sei jede Hilfe willkommen, so der Musiker.

Eine erste und beeindruckende Klangprobe zu den fertigen Tracks des interkulturellen Musikprojekts gibt es auch auf der Website. In einem 15-minütigen Kurzfilm wird Remixinhambane eindringlich und emotional in Wort und Bild dargestellt. Die SängerInnen, die bei der Arbeit gefilmt wurden, kommen ebenso wie Produzenten und Organisatoren zu Wort und berichten über ihren persönlichen Zugang zum Projekt.

„Mit unserer vorhandenen Infrastruktur und dem Know-how möchten wir neue Talente entdecken und fördern und gleichzeitig eine Verbindung zwischen Mosambik und der westlichen Hemisphäre aufbauen“, erklärt Kamenar, „und vielleicht wird es in Zukunft nicht nur ein Remixinhambane geben, sondern andere Projekte, die auf die gleiche Weise funktionieren und sich über scheinbar unüberwindbare geografische und soziale Grenzen hinwegsetzen, um Menschen mit gleichen Interessen zu vereinen.“

Infos und Klangproben: www.remixinhambane.com

Martina Weinbacher hat Wirtschaftswissenschaften studiert und sich auf die Themen nachhaltige Entwicklung und Entwicklungszusammenarbeit spezialisiert. Sie arbeitet und lebt als freie Journalistin in Wien.

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