Tandem

Von ki ·

Polizisten treffen Migranten

Dimitré Dinev, Erich Hackl, Alma Hadzibeganovic, Heinz Janisch, Vladimir Vertlib, Renate Welsh-Rabady, Christa Zettel

Literarische Protokolle.
Mandelbaum Verlag, Wien 2006,
143 Seiten, € 15,80

Wie viele interessante Projekte gibt es in Österreich und wie wenig dringt davon in die Öffentlichkeit! Meist scheitert es an der spannenden Umsetzung in Wort und Bild. Doch es geht auch anders: Dann entsteht zum Beispiel ein lesenswertes und optisch ansprechendes Buch wie das vorliegende.
Seit 1999 gibt es den Lehrgang „Polizeiliches Handeln in einer multikulturellen Gesellschaft“. Durchgeführt von einer Gruppe engagierter Menschen – teilweise mit Migrationshintergrund –, tätig an der Universität, in der Erwachsenenbildung, im Innenministerium oder bei Nichtregierungsorganisationen.
Etwa 25 TeilnehmerInnen aus verschiedensten Bereichen der Polizei aus ganz Österreich besuchen jeweils während zwei Semestern Seminare über polizeilichen Alltag, interkulturelle Kommunikation, rechtliche Fragen, Persönlichkeitsbildung und vieles mehr.
Dazu bekommen per Losentscheid die Kurs-TeilnehmerInnen einen nach Österreich zugewanderten „Tandem“-Partner. Das Konzept Tandem soll Lernen im Kulturkontakt ermöglichen. Die registrierte Marke wurde in Spanien entwickelt. Nicht alle dieser Tandem-Partner sind sich nahe gekommen. Doch man liest, was möglich ist. Manche werden echte Freunde. Und von sieben solchen Freundschaften handelt das Buch. Eine Reihe namhafter AutorInnen, auch aus dem interkulturellen Bereich, hat jeweils über eines der Paare ein „literarisches Protokoll“ angefertigt, unterschiedlich in Form und Tiefe – wie eben auch die beschriebenen Beziehungen sind.
Beim Lesen taucht man ein in die Geschichten und Lebenswirklichkeiten von Menschen aus zwei mit Vorurteilen behafteten Personengruppen (Polizisten und Migranten). Das Buch lebt von dieser literarischen Gleichbehandlung.
Die porträtierten Tandem-Paare sind sicher nicht idealtypisch für das alltägliche Zusammentreffen von Polizei und MigrantInnen. Schließlich handelt es sich auf der Seite der Polizei ausschließlich um Männer in führenden Positionen, die multikulturellen Erfahrungen gegenüber aufgeschlossen sind. Die Migranten sind auch männlich und durchwegs hoch gebildet und mit stabilem Status in Österreich. Dennoch bietet das Buch einige Überraschungen. Es ist auch für ein breites Publikum absolut lesenswert.

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