E-Mail aus: Thailand

Von Redaktion ·

Von: Nicola Glass

Betreff: Kritik unerwünscht

Liebe Redaktion,

kürzlich habe ich an einer Zeremonie im buddhistischen Tempel „Wat Pathum Wanaram“ teilgenommen. An diesem Tag wurde derjenigen gedacht, die während der blutigen Unruhen in Bangkok vor fünf Jahren ermordet wurden. Ich hatte damals selbst miterlebt, wie Thailands Armee die Proteste der „Rothemden“ gewaltsam niederschlug. Die Rothemden sind mehrheitlich Anhänger von Ex-Premierminister Thaksin Shinawatra, den das Militär 2006 gestürzt hat, sowie seiner Schwester Yingluck, deren Regierung im Mai 2014 aus dem Amt geputscht wurde.

Als ich das Tempelgelände betrat, standen dort bereits Militärs und Polizisten in Zivil. Einem der „Aufpasser“ wich ich aus und ging hinein. Schließlich wurde allen JournalistInnen der Zutritt erlaubt.

Als ausländische Korrespondentin bin ich im herrschenden Klima der Unterdrückung und Angst weder verhaftet noch verhört worden. Doch ich spüre dieses auf andere Weise: Als ich nach dem jüngsten Putsch bewaffnete Soldaten fotografiert hatte, musste ich die Bilder auf Geheiß eines Armeeoffiziers löschen. Als ich nach der Zeremonie im Tempel einen Mann interviewte, dessen Sohn 2010 erschossen worden war, bauten sich hinter mir sechs „Sicherheitskräfte“ in Zivil auf. Sie griffen nicht ein, schrieben aber jedes Wort mit. Mein Gesprächspartner war bereits mehrfach verhaftet worden. Dennoch lässt sich dieser bewundernswerte Mann nicht einschüchtern: „Meine Landsleute müssen lernen, dass man für Gerechtigkeit und Demokratie kämpfen muss.“

         Viele Grüße, Nicola

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