Thema mit Variationen

Von Brigitte Pilz ·

Wir haben es hier laut Lexikon mit „scharfen oder aromatischen Substanzen pflanzlichen Ursprungs zu tun, die man gewöhnlich zum Würzen von Speisen verwendet“. Gewürze werden aus Wurzeln, Blättern, Rinden, Knospen, Samen, Beeren und anderen Teilen der Pflanzen gewonnen. Salz ist in diesem Sinn kein Gewürz. (Manche Lexika sprechen auch von anorganischen Gewürzen wie Salze oder Räucheraromen.) Frische Kräuter zählen auch nicht dazu. Die Natur hält eine Fülle scharfer und aromatischer Gewürze bereit. Über 200 sollen es sein.
Doch warum sich beschränken? Es hatte schon immer einen besonderen Reiz, Gewürze in der Küche kunstvoll zu kombinieren. Dass Curry eine Mischung darstellt, ist heute hinlänglich bekannt. Mindestens neun Gewürze sind darin enthalten. Die Zusammenstellung wechselt in Indien je nach Region. Dort sind masalas (Gewürzmischungen) überhaupt zentral für das Gelingen eines Gerichts. Andere Länder – andere Gewürzmischungen. Aus China kennen wir das Fünf-Gewürze-Pulver, aus Südostasien die sambals. Die marokkanische Mischung ras el hanout enthält 20 Zutaten, variiert nach Ladenbesitzer, Koch oder Hausfrau. Sie enthält unter anderem getrocknete „spanische Fliegen“. Diese Käfer enthalten das hochwirksame Gift Kantharidin. Zu solchen Extremzutaten wollen wir Sie nicht verführen.

Trotzdem: Wir haben uns in diesem SWM-Thema auf sogenannte „exotische“ Gewürze konzentriert, vor allem auf solche, mit denen uns eine lange Geschichte über die Kolonialzeit hinaus verbindet. Oft ist uns gar nicht bewusst, wie sehr Gewürze und ihre Beschaffung mit historischen Ereignissen wie der „Entdeckung“, aber auch Ausbeutung ganzer Kontinente verbunden sind. Missbrauch richtet Schaden an. Heute ist es die niedrige Entlohnung von Arbeitskräften in Gewürzplantagen, die Vergiftung der Pflanzen durch übermäßigen Einsatz von Pestiziden oder die radioaktive Bestrahlung zwecks Abtötung unerwünschter Keime. Die schmackhafte Gewürzmischung kann so leider auch zum Giftcocktail werden. Besondere Aufmerksamkeit ist beim Würzen also in vielerlei Hinsicht geboten.

Basic

Berichte aus aller Welt: Lesen Sie das Südwind-Magazin in Print oder Online!

  • 6 Ausgaben pro Jahr
  • 48 Seiten pro Ausgabe
  • je Ausgabe ein 12-seitiger Themenschwerpunkt
  • 12x Extrablatt direkt in Ihr E-Mail-Postfach
  • Buch & Filmempfehlungen aus der Redaktion
ab € 25 /Jahr
Abo Abschließen
Förder

Mit einem Förder-Abo finanzieren Sie den ermäßigten Abo-Tarif und ermöglichen so den Zugang zum Südwind-Magazin für mehr Menschen.

Jedes Förder-Abo ist automatisch ein Kombi-Abo:

  • Alle Ausgaben in Print und als E-Paper
  • Online Zugang zur Webplattform inkl. vollständigem Archiv
84 /Jahr
Abo Abschließen
Soli

Mit einem Solidaritäts-Abo unterstützen Sie unabhängigen Qualitätsjournalismus!

Jedes Soli-Abo ist automatisch ein Kombi-Abo:

  • Alle Ausgaben in Print und als E-Paper
  • Online Zugang zur Webplattform inkl. vollständigem Archiv
168 /Jahr
Abo Abschließen