Thomas Seifert / Klaus Werner: Schwarzbuch Öl

Eine Geschichte von Gier, Krieg, Macht und Geld

Von WeH
Verlag Deuticke, Wien 2005, 319 Seiten, € 21,50

Das Erdöl als Schmiermittel globaler Machtkämpfe: Ist es wirklich der Vater von Kriegen und Konflikten, vergangener wie künftiger? Und der Auslöser für verstärkte Repression nach innen, wenn sich die von der Umweltzerstörung besonders betroffenen Menschen wehren oder Bevölkerungen eine gerechtere Verteilung des Petro-Reichtums einfordern?
Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte legen eine bejahende Antwort nahe, und das vorliegende „Schwarzbuch“ gibt eine ganz klare Antwort darauf: Ja. Kaum ein Konflikt in der jüngeren Geschichte, in dem das schwarze Gold nicht eine Rolle gespielt hätte. Dass der Irak-Krieg nicht der Wiederherstellung der Demokratie oder der Zerstörung angeblicher Massenvernichtungswaffen diente, ist außerhalb der USA wohl hinlänglich bekannt. Die Sicherung der Erdölversorgung ist jedoch auch der Motor vieler anderer Konflikte, Staatsstreiche, Polit-Intrigen. Im Iran etwa, wo die USA und Großbritannien 1953 die Regierung Mossadegh stürzten, die die Erdölindustrie verstaatlicht hatte. Präsident Eisenhower erklärte 1957 die USA zur De-facto-Schutzmacht der ölfördernden Länder der Golfregion. Beim Nahost-Krieg von 1973 spielte das Erdöl eine wichtige Rolle – und so weiter und so fort. Eine beklemmende Geschichte, die wieder einmal den prekären Stellenwert von Demokratie, Menschenrechten und Umweltschutz aufzeigt, wenn es sich um die Energieversorgung dreht. Und um die Unternehmensprofite. Wie es darum bestellt ist, zeigen die Porträts der 20 größten Erdölkonzerne im Anhang.
Die beiden österreichischen Journalisten Seifert und Werner beschreiben die Rolle des Erdöls in der Weltpolitik wie eine Apokalypse. Und sie zeigen auch mögliche Auswege aus der Erdölfalle auf: Wasserstoff als Treibstoff, Energiesparen, Umdenken. Dieser Teil ist allerdings etwas mager ausgefallen.
Kein großer Entwurf, dieses neue Schwarzbuch, kein Programm für die Post-Öl-Periode, doch ein praktisches Nachschlagewerk.

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