Tödliches Wasser

Der Fluss Densu in Ghana ist durch eine massive Verschmutzung mit menschlichen Exkrementen sowie mit giftigen Abwässern bedroht, wie eine Untersuchung aufdeckte. Kwabena Adu Koranteng war dabei.

Auch Schlachtungen werden wie hier am Fluss Densu direkt am Ufer durchgeführt und die Reste ins Wasser geworfen.© Kwabena Adu Koranteng

Er entspringt in der dicht bewaldeten Atewa Range, einer Hügelkette in der Eastern Region in Ghana, und mündet nahe der Hauptstadt Accra in den Atlantik. Für mehr als vier Millionen Menschen ist der 116 km lange Fluss Densu eine wichtige Trinkwasserquelle. Er ist jedoch bereits massiv verschmutzt: Menschliche Exkremente und andere Haushaltsabfälle werden von der lokalen Bevölkerung im Fluss „entsorgt“, industrielle Abwässer ungeklärt eingeleitet.

Am Unterlauf des Densu, zwischen den Städten Nsawam und Adoagyiri in der Eastern Region und dem Weija-Stausee bei Accra, ist die Verschlechterung der Wasserqualität bereits an der Farbe des Flusswassers zu erkennen. Die für viele Menschen lebensbedrohliche Verschmutzung stellt zweifellos eine Verletzung des Rechts auf sauberes Trinkwasser dar, das den Menschen in Ghana sowohl nach der UN-Menschenrechtskonvention als auch nach den Gesetzen des Landes zusteht.

Abwasser in den Fluss. In Nsawam entdeckten wir – eine Gruppe von JournalistInnen und ein Kameramann – Häuser, deren Abwässer durch Plastikrohre in den Fluss geleitet werden. Auch das gesamte Schmutzwasser des zentralen LKW-Parkplatzes von Nsawam fließt direkt in den Densu. An den Flussufern haben Leute Pissoirs eingerichtet und heben für die Benutzung Gebühren ein.

Schockierend ist insbesondere, dass die Abwässer des Gefängniskomplexes in Nsawam mit rund 15.000 Häftlingen ungeklärt in den am Gelände vorbeifließenden Nebenfluss Mahoma gelangen.

Zu den Szenen, die wir bei unserer Untersuchung beobachteten, gehört auch die folgende: Eine ältere Frau holt Wasser an einer Stelle, wo einige junge Männer kurz zuvor geschlachtete Ziegen und Schafe ausgenommen haben; Blut und Darminhalt wurden dem Fluss übergeben. An genau derselben Stelle holen sich LKW-Fahrer Wasser, um ihre Fahrzeuge zu waschen; auch dieses schmutzige Wasser fließt zurück in den Fluss.

Wenn der von der lokalen Wasser- und Kanalabteilung gebohrte Brunnen trocken ist, trinke sie einfach das unbehandelte Wasser aus dem Fluss, erzählt mir die 58-jährige Josephine Oni. Das Flusswasser werde auch zum Kleiderwaschen, Kochen, zur Körperpflege und für sonstige Zwecke im Haushalt verwendet.

„Mein ganzes Leben lang war ich von diesem Fluss abhängig“, sagt sie. „Wir verwenden das Wasser, seit ich hierher zu meiner Familie kam, und bis vor zehn Jahren war es sehr sauber. Dann ging das mit der Verschmutzung los. Wir fischten auch am Fluss, aber das ist Jahre her, und die Fische haben die starke Verschmutzung nicht überlebt. Beim Wasserholen kann man manchmal Kondome und Windeln herumschwimmen sehen. Es ist schrecklich. Die Regierung muss uns helfen, das Problem zu lösen und den Fluss und die Menschen zu retten“, klagt Oni.

DDT und andere Gifte. Von Nsawam begaben wir uns zum Weija-Stausee, wo das Wasser für die Trinkwasserversorgung in Teilen von Accra und anderen Gebieten aufbereitet wird. Da es hier keine öffentlichen Toiletten gibt, verrichten die Menschen ihre Notdurft einfach am Ufer des Sees. Bei vielen Häusern mit Toiletten bleiben die Auslässe einfach geöffnet, wie wir erfuhren; sobald es regnet, fließe alles in den See.

Manche Tankwagenfahrer befüllen ihre Tanks mit unbehandeltem Flusswasser und verkaufen es an Leute, die hier Straßenküchen betreiben; auf den Feldern rund um den Stausee kommen chemische Düngemittel und Pflanzenschutzmittel wie DDT zum Einsatz. Einige Fischer würden sogar DDT und andere giftige Chemikalien zum Fischen verwenden, wie uns berichtet wurde.

Zu teure Kläranlagen. In Nsawam und Adoagyiri ist die Verschmutzung amtsbekannt, wie Joseph Nanor, Leiter der städtischen Abteilung Umweltgesundheit bestätigt – das Problem sei auf die hartnäckige Weigerung eines Teils der Bevölkerung zurückzuführen, sich an die Umweltschutzverordnungen zu halten. Aufgrund der geographischen Lage der beiden Städte mit 800.000 EinwohnerInnen sei es zudem unvermeidlich, dass die Abwässer von den Siedlungen auf den Hügeln hinunter ins Tal und in den Fluss fließen.

Und warum wurde bisher nichts getan, um dies zu verhindern? „Wir können nur wenig dagegen ausrichten“, meint Nanor. „Wir müssten eine Kläranlage und einen Tunnel bauen, um alle Kanäle zusammenzuführen. Das ist eine enorme Investition, das geht nicht ohne die Regierung und eine Partnerschaft mit ausländischen Gebern.“

Wir sprachen auch mit Stanley Martey, dem Verantwortlichen für Corporate Affairs der in Staatsbesitz befindlichen Ghana Water Company. Der Fluss ist die am stärksten verschmutzte Trinkwasserquelle in ganz Ghana, wie Martey bestätigt: 25 Prozent der operativen Aufwendungen des Unternehmens entfielen allein auf den Kauf von Chemikalien für die Aufbereitung des Densu-Wassers. Für Martey steht zudem fest, dass an den Ufern des Stausees keine Landwirtschaft betrieben werden sollte: Die auf den Feldern ausgebrachten Gifte würden einfach vom Regen in den See gespült. „Wir müssen weit überdurchschnittliche Mengen an Chemikalien einsetzen, um den Dreck wieder herauszubekommen“, erklärt Martey.

Aber wird das Wasser dadurch nicht noch mehr verunreinigt? „Naja, nicht wirklich“, so Martey. „Bei der chemischen Aufbereitung des Wassers setzen wir auch andere Mittel ein, die das Chlor und das Aluminiumsulfat zum Teil neutralisieren, damit man das Wasser auch trinken kann. Das sind Chemikalien, die für Trinkwasser akzeptabel sind.“

Armee und Polizei. Die staatliche Kommission für Wasserressourcen will nun Armee- und Polizeieinheiten am gesamten Lauf des Flusses bis zum Weija-Stausee einsetzen, wie der Chef der Kommission, Ben Ampomah, ankündigte. Sie sollen Unbefugte aus dem Gebiet fernhalten und alle festnehmen, die bei einer Verschmutzung des Flusses ertappt werden. Außerdem wurde eine eigene Behörde für das Densu-Becken eingerichtet, die auch dabei helfen soll, alle Betroffenen und Beteiligten in den jeweiligen Gemeinschaften in die Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung des Flusses einzubinden.

Ein weiteres Problem ist der illegale Holzeinschlag, wie der zuständige Beamte bei der Kommission für Wasserressourcen, Ronald Abrahams, erklärt. Es gab bereits Aufklärungskampagnen, „aber bisher mit wenig Erfolg“. Einige Leute würden entgegen aller Vernunft in die Pufferzonen und Waldschutzgebiete eindringen und Bäume fällen, die zum Schutz der Wasserressourcen gepflanzt werden. „Sie verstecken sich im Busch, wenn sie hören, dass wir mit Sicherheitskräften kommen, um sie festzunehmen. Die Situation ist sicher besorgniserregend, aber wir tun, was wir können.“

Kwabena Adu Koranteng, Ghana, ist investigativer Journalist. Er hat in Südafrika und Deutschland studiert. Die Reportage über den Fluss Densu ist in längerer Version am 27. August 2015 in der Online-Zeitschrift „Modern Ghana“ erschienen. Sie wurde vom „Funds for Investigative Journalism“ (fij.org) finanziell gefördert.

Übersetzung: Robert Poth

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