Tribut an Dämme

Der Bericht der Weltkommission für Staudämme kommt zum eindeutigen Schluss: So wie bisher kann es nicht mehr weiter gehen.

Von Brigitte Voykowitsch
AktivistInnen, die seit Jahren auf die verheerenden sozialen, ökonomischen und ökologischen Folgen vieler Staudamm-Bauten hinweisen, gibt es in großer Zahl. Doch viele Regierungen wollten ihnen kein Gehör schenken und taten ihre Warnungen als grobe Verzerrungen ab. Eine derartige Haltung wie auch das scheinheilige "Wir wussten das ja nicht!" lasse sich nun nicht mehr aufrechterhalten, betonte eine der Rednerinnen bei der Präsentation des Berichts der Weltkommission für Staudämme knapp vor der Jahreswende.
Die weltweite Studie mit dem Titel "Staudämme und Entwicklung: Ein neuer Rahmen zur Entscheidungsfindung" ist das umfangreichste Dokument, das je zu dem Thema erarbeitet wurde. An seiner Erstellung waren neben AktivistInnen auch Vertreter von Regierungen, internationalen Finanzorganisationen, dem Privatsektor sowie persönlich betroffene Personen beteiligt.

Fünf Grundwerte bestimmten den Beurteilungsrahmen bei der Untersuchung von mehr als einhundert der weltweit insgesamt rund 45.000 Großstaudämme: Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Effizienz, partizipative Entscheidungsfindung und Rechenschaftspflicht.
Die Schlussfolgerungen, zu denen die Kommission nach zwei Jahren intensiver Arbeit kam, waren für viele keinesfalls überraschend: Weltweit wurden rund 40 bis 80 Millionen Menschen durch den Bau von Dämmen vertrieben respektive umgesiedelt. Viele Vertriebene wurden weder als solche anerkannt noch wurden sie umgesiedelt oder entschädigt. Wo Entschädigungen gezahlt wurden, waren diese oft unzureichend und ließen die künftige soziale und ökonomische Entwicklung der aus ihrem Lebenszusammenhang gerissenen Menschen außer acht. Was Mensch und Umwelt betrifft, wurde in zu vielen Fällen ein unzumutbarer Preis bezahlt.

Es mangelt an Gerechtigkeit bei der Verteilung des Nutzens von Dämmen. Die veranschlagten wirtschaftlichen Ziele wurden bei einer beachtlichen Zahl von Dämmen nicht erreicht. Die Auswirkungen auf die Ökosysteme sind eindeutig als negativ einzustufen, mit einem erheblichen und nicht umkehrbaren Verlust an Tier- und Pflanzenarten.
Als Richtlinie für künftige Projekte wird von der Kommission ein Ansatz vorgeschlagen, der auf der "Anerkennung von Rechten" und der "Bewertung von Risiken" unter den oben genannten fünf Grundwerten beruht. Denn so wie bisher könne und dürfe es nicht weitergehen.

Nähere Informationen erhalten Sie unter www.dams.org und www.earthscan.co.uk

Die Autorin ist freie Journalistin mit Schwerpunkt Südund Südostasien. Sie lebt derzeit in London.

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