Turbo-Klimawandel!

Von Irmgard Kirchner
Die Arktis liegt weit weg von unserer Alltagsrealität. Trotz Knut, Flocke, Nanuk und Arktos, den eisbärigen Sympathieträgern in europäischen Tiergärten.

Am Nordpol geschieht etwas, das man als eine "Nachricht aus der Zukunft" lesen kann. Denn so gut wie alle wichtigen Entwicklungen, die in dieser Region gerade passieren, hängen mit dem Klimawandel zusammen. Folgende Thema-Seiten, die wir von unserer Partnerzeitschrift New Internationalist übernommen haben, bieten einen Augenzeugenbericht von den drastischen Veränderungen, die für die ArktisbewohnerInnen bereits Alltagsrealität sind.

Am Nordpol vollzieht sich der Klimwandel mit Turbo. Eine (noch) vereiste Arktis reflektiert weit mehr Sonnenwärme als Meeres- oder Landgebiete ohne Eis und wirkt daher wie eine Art "globaler Kühlschrank". Schmilzt etwa das Inlandeis von Grönland zur Gänze, könnte der Meeresspiegel weltweit um bis zu sechs Meter ansteigen. Tauen die Permafrostböden vollständig auf, würden dadurch doppelt so viele Treibhausgase freigesetzt werden wie in der ganzen bisherigen Geschichte der Menschheit. Ein Schmelzen des Arktiseises hat also verheerende Folgen für die ganze Welt.

Für die ganze Welt? Nein, es gibt auch hoffnungsvolle Profiteure der Situation. Denn in der Arktis passiert eine der "kolossalsten Ironien des Klimawandels": Das schmelzende Eis gibt enorme Bodenschätze frei - unter anderem vielleicht ein Viertel der noch unentdeckten Öl- und Gasvorkommen der Welt. Die könnten dann in einer zukünftig eisfreien Nordwestpassage - dem Seeweg zwischen Atlantik und Pazifik nördlich des amerikanischen Kontinents - per Schiff abtransportiert werden und dem Weltklima weiter einheizen. Und so gehen die Anrainerstaaten in Stellung und streiten um Souveränitätsrechte.

Doch es gibt auch - zum Teil erfolgreichen - Widerstand von indigenen Gemeinschaften und UmweltschützerInnen. Der allgegenwärtige Widerspruch zwischen Profit auf der einen und Umweltschutz und Erhalt einer selbstbestimmt traditionellen Lebensweise auf der anderen Seite könnte nicht besser veranschaulicht werden als gegenwärtig in der Arktis.

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