Ulrike Lunacek: Zwischenrufe

Von Ralf Leonhard
Milena Verlag, Wien 2006, 261 Seiten, € 17,90

Wenn aktive PolitikerInnen Bücher schreiben, ist Vorsicht angesagt. Meist ist es ein Zusammenschnitt aus längst veröffentlichten Artikeln, Vorträgen oder gar Ansprachen. Auch die Zwischenrufe der Grünen-Abgeordneten Ulrike Lunacek sind eine Sammlung von Kommentaren, Aufsätzen oder schriftlichen Überlegungen, die in den letzten zehn Jahren schon irgendwo zu lesen waren. Allerdings sind es größtenteils erfrischende und äußerst klarsichtige Bemerkungen zu Themen, die ihre Aktualität bewahrt haben. Sei es über die die kleinkarierte innenpolitische Landschaft, über Diskussionen in der Grünen Partei oder über zentrale Fragen des Weltfriedens.
Da ist einmal der Themenkomplex Gleichberechtigung homosexueller Lebensformen und Partnerschaften, der der Autorin ein ständiges Anliegen ist. Seit Jahren kämpft sie gegen Vorurteile und Kleingeist an. Immer wieder muss sie sich über den Abwehrkampf der Politik, vor allem der ÖVP, gegen die Anpassung der Gesetzgebung an die gesellschaftlichen Veränderungen ärgern.
Die ehemalige Südwind-Redakteurin ist nicht nur Sprecherin für die Rechte von Lesben, Schwulen und TransGenderPersonen, sondern auch für Entwicklungs- und Außenpolitik. So ist denn ein großer Teil ihrer Kolumnen außereuropäischen Themen gewidmet. Sie zeigt dabei viel Sensibilität für unscheinbare Symptome von Fehlentwicklungen. Ein Reisebericht aus New Orleans aus dem Jahre 2004 befasst sich mit der Verwundbarkeit der Stadt gegenüber Wirbelstürmen und Überflutungen. Ein Jahr vor dem verheerenden Hurrikan Katrina war für Lunacek klar ersichtlich, dass die Katastrophe jederzeit eintreten könnte.
Dass die Autorin mit Lateinamerika und den zivilgesellschaftlichen Bewegungen des Subkontinents mehr verbindet als ein professionelles Interesse, ist gut dokumentiert. Die Weltsozialforen in Porto Alegre, Brasilien, waren für sie Pflichttermine. Aber sie interessiert sich auch für die Schnittblumenindustrie in Kolumbien oder Zwangssterilisationen in Peru. Wo Menschenrechte systematisch verletzt werden, sind oft auch europäische Interessen im Spiel. Ulrike Lunacek appelliert in ihren Zwischenrufen immer wieder an die Politik, diese Verantwortung wahrzunehmen.

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