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Umdenken mitten im Wahlkampf?

Die Nachricht vom Tod des Flüchtlingskindes Aylan Kurdi zwingt Kanada, sich dem Thema Flüchtlinge zu stellen.

Von Nevin Thompson

Das Bild von Aylans leblosem Körper an einem Strand in der Türkei ging Anfang September um die Welt. Der dreijährige Junge, seine Mutter Rehana und sein fünfjähriger Bruder Galip waren bei der Überfahrt auf die griechische Insel Kos ertrunken. Die Nachricht vom Tod des Jungen wurde auch zur Top-Story in Kanada.

Aylans Tod hat Kanadas magere Bilanz in puncto Unterstützung syrischer Flüchtlinge nun zu einem Wahlkampfthema gemacht. Am 19. Oktober wählen die Kanadierinnen und Kanadier eine neue Regierung. Bisher zeichnete sich ein enger Kampf zwischen der konservativen Regierungspartei von Premierminister Harper, der Neuen Demokratischen Partei (NDP) und der Liberalen Partei Kanadas ab.

Nach der Nachricht, dass die Familie Kurdi versucht habe, nach Kanada zu gelangen und ihre Hilferufe anscheinend von Einwanderungsminister Chris Alexander und der konservativen Regierung ignoriert worden waren, rief Justin Trudeau, Führer der oppositionellen Liberalen Partei Kanadas, die konservative Regierungspartei auf, mehr Flüchtlinge aufzunehmen.

Der Premierminister blieb jedoch seiner politischen Linie treu und lehnte dies ab. Er griff die NDP und die Liberalen an, die im Parlament gegen die Ausweitung von Kanadas Militäreinsatz gegen den IS gestimmt hatten.

Während sich die humanitäre Krise im Mittelmeer und in Europa im Sommer immer weiter ausbreitete, fand dieses Thema bis zum Tod Aylans in den kanadischen Medien kaum Beachtung.

Der Kolumnist Scott Gilmore, der häufig über die humanitäre Krise in Syrien berichtet, befürwortet, dass die Öffentlichkeit weiterhin Druck auf die Regierung ausübt, mehr zu tun und argumentiert, dass der aktuelle Wahlkampf die Möglichkeit biete, wirklich etwas zu verändern. Er schreibt: „Die kanadische Politik denkt oft in kleinen Maßstäben. In der Flüchtlingskrise müssen wir groß denken.“

Nevin Thompson ist Redakteur bei „Global Voices“ und lebt in Kanada. Der Text ist auf dem Portal in einer längeren Version erschienen, übersetzt wurde er von Monica Seeman.

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