Undifferenziert

Leitartikel 1-2/2005

Von Traude Novy
Die undifferenzierte Forderung nach steuerlicher Absetzbarkeit von Spenden widerspricht in vielen Punkten dem Anspruch der eingeforderten Sozialverträglichkeit. Natürlich bin ich auch der Meinung, dass nicht allein Firmen Katastrophenhilfe steuerlich absetzen können und dass die Konditionen für Spendenabsetzbarkeit insgesamt durchforstet werden müssen. Ich finde es allerdings zynisch, wenn gerade eine entwicklungspolitische Zeitung die geringen Kosten der steuerlichen Absetzbarkeit von Spenden für den Finanzminister damit argumentiert, dass Hunderttausende PensionistInnen, die die Masse der Spendenden ausmacht, ihre Spenden ja sowieso mangels Einkommen nicht absetzen können.
Seid Ihr ernsthaft der Meinung, dass diejenigen, die von einer Spendenabsetzbarkeit am meisten profitieren würden, nämlich die Spitzenverdiener, es nötig haben, ihre Spendenbereitschaft von steuerlicher Absetzbarkeit abhängig zu machen? In Zeiten, wo der magersüchtige Staat zum Idealbild wird und mehr privat, weniger Staat die Losung ist, wäre es in meinen Augen ein falsches Signal, Spendenbereitschaft an steuerliche Vergünstigungen für Wohlhabende zu knüpfen. Steuerzahlen ist die Pflicht - Spenden die Kür - es wäre fatal und ein Weg in eine Almosengesellschaft, Maßnahmen in die gegensätzliche Richtung zu unterstützen. Außerdem widerspricht es jeder Gendergerechtigkeit, da Frauen großteils weder jene sind, die steuerliche Begünstigungen lukrieren können, noch jene, deren zumeist kleinen Projekte massiv von Großspendenden unterstützt werden. Es wäre doch ein wesentlich gerechterer Weg, Steuermittel, auch von jenen, die nicht freiwillig spenden, Richtung sozialer Gerechtigkeit umzuverteilen - also nicht nur die 0,7-Kampagne zu forcieren, sondern auch die Verwendung der öffentlichen Mittel verstärkt in Richtung NGOs zu lenken, die ja erwiesenermaßen mehr Vertrauen der Bevölkerung für die Durchführung genießen als der Staat und Wirtschaftsunternehmen.

Traude Novy
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