Ungewöhnliche Menschen

Von Monika Kalcsics ·

Eric Hobsbawm

Über Widerstand, Rebellion und Jazz. Aus dem
Englischen von Thorsten Schmidt. Hanser Verlag, München 2001, 424 Seiten, öS 364,-.

„Ließe man diese Personen beim Schreiben einfach weg, es würde die makrohistorische Geschichtsschreibung kaum verändern,“ schreibt der Historiker Eric Hobsbawm ins Vorwort seiner aktuellen Publikation „Ungewöhnliche Menschen“. Tatsächlich finden wir die Menschen, von denen Hobsbawm uns erzählt, nicht in den gängigen Geschichtsbüchern. Zu gering und zu unbedeutend ist ihr Einfluss als Einzelperson auf die Entscheidungsebenen der Macht. Doch in ihrer Gesamtheit, betont der Autor, sind die Frauen und Männer, die in diesem Buch vorgestellt werden, bedeutende Akteure der Geschichte.
26 Aufsätze aus dem letzten Jahrhundert hat der Autor unter einem Schlagwort vereint: Widerstand. Widerstand gegen die sozialen Missstände im modernen Kapitalismus. Das ist die Seite der Geschichte, die den britischen Sozialhistoriker Hobsbawm fasziniert – Kämpfe und Rebellionen von Menschen „so groß wie du und ich“.
Wir erfahren zuerst in mehreren Kapiteln vom politischen Radikalismus der Arbeiterklasse, lesen in einem weiteren Abschnitt über den Widerstand der traditionsgebundenen Landbevölkerung und landen schließlich beim Jazz, „der eine der wenigen Entwicklungen in der Kunst darstellt, die ganz und gar im Leben armer Leute verwurzelt ist“. Erklärung genug für den Autor, die Jazzer in die Reihe derjenigen Menschen einzugliedern, die sich gegen ihre Umgebung auflehnen.
Bei der Lektüre wird offensichtlich, dass Hobsbawm eine Schwäche für die „ungewöhnlichen Menschen“ hat. Diese Schwäche manifestiert sich negativ in romantisierenden Darstellungen des „edlen Wilden“. Positiv äußert sich dieses Faible darin, dass er durchs Niederschreiben die Menschen im Widerstand der vergangenen Jahrhunderte und ihre Widerstandsformen vor der Vergessenheit bewahrt.

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