Unsichtbare Minderheit

Geschätzte zehn bis zwölf Prozent der Bevölkerung im Süden des Iran sollen afrikanischer Herkunft sein: Nachfahren von SklavInnen, die im 19. Jahrhundert aus Sansibar in den Iran verschleppt wurden. Die lukrative Perlenfischerei benötigte billige menschliche Arbeitskraft.

Längst hat die Förderung von Erdöl und Erdgas den Handel mit Perlen abgelöst. Und Sklaverei ist im Iran seit 1926 verboten.

Im Unterschied zu anderen ethnischen Minderheiten trat die afrikanische Diaspora im Iran lange kaum offen in Erscheinung. Dieses Kapitel der iranischen Geschichte wurde von der Wissenschaft vernachlässigt und verschwand weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein.

In der Hafenstadt Buschehr am Persischen Golf wächst eine neue Generation heran, die das vergessene und doch omnipräsente kulturelle Erbe wieder zum Leben erweckt und ihre afrikanische Herkunft betont. Diese zeigt sich insbesondere in Rhythmen und Tänzen, die von den jungen Leuten am Leben erhalten und gepflegt werden.

Ali verkauft Getränke, Falafel und Zigaretten am Strand. Bei seiner Familie, müde von der Arbeit: „Ob Nachfahre von Sklaven oder nicht: wir alle kämpfen ums Überleben.“© Giacomo Sini
Kuka (Mitte) trommelt mit Leidenschaft. Der Zwölfjährige ist Mitglied einer populären afro-iranischen Folkloregruppe.© Giacomo Sini

Text: Monir Ghaedi, Fotos: Giacomo Sini

(Übersetzung Irmgard Kirchner)

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