Verleugnete Geschichte

Im von der UN ausgerufenen internationalen Jahr der Menschen afrikanischer Herkunft 2011 steht die soziopolitische Präsenz der Nachkommen der SklavInnen im Mittelpunkt.

Von Ralf Leonhard

Wer kennt José Prudencio Padilla? Der siegreiche Admiral der Seeschlacht von Maracaibo, der in den 1820er Jahren die Spanier aus ihren karibischen Bastionen in Kolumbien und Venezuela vertrieb, ist selbst den meisten gebildeten KolumbianerInnen unbekannt. Und das, obwohl seine Bedeutung für die Unabhängigkeit der südamerikanischen Kolonien kaum geringer einzuschätzen ist als die des allgemein verehrten Befreiers Simón Bolívar. Padilla kommt in den Geschichtsbüchern aber nicht vor. Er wurde unter wahrscheinlich falschen Verschwörungsvorwürfen hingerichtet. Die kolumbianische Schriftstellerin Rosa Amelia Plumelle-Uribe ist sicher, dass das vor allem einen Grund hat: Padilla war schwarz.

Die Befreiung der afrikanischstämmigen Bevölkerung Lateinamerikas sollte sehr viel länger dauern als die Befreiung von der Kolonialmacht Spanien, ihre Geschichte ist weitgehend unbekannt. Dem wollte die Veranstaltung „200 Jahre Unabhängigkeit – Auch für die Nachkommen der Sklaven?“ am 18. März, organisiert von der Wiener Integrationskonferenz, abhelfen. Neben Plumelle-Uribe waren die Forscherinnen Rocío Rueda aus Ecuador und Demetria Casimira Monasterios aus Venezuela geladen, um die soziale Lage und Geschichte der schwarzen Bevölkerung darzustellen.

Die teilweise sehr engagiert vorgetragenen Schicksale provozierten Diskussionen, die vor allem hinsichtlich der Rolle der Kirche und der Diskriminierung von AfrikanerInnen in der österreichischen Gesellschaft recht heftig wurden, und zeigten, dass derartige Veranstaltungen notwendig sind. Das großteils junge Publikum bekam jedenfalls Lust auf mehr.

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