Vernetzung gefragt

Der neue Lehrplan für die 10- bis 14-Jährigen als Chance für das Globale Lernen.

Von Erika Tiefenbacher
Eine weltoffene interkulturelle Perspektive muss angesichts wachsender Internationalisierung von Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft zum festen und selbstverständlichen Bestandteil des gesamten Unterrichts werden. Diesem Anspruch trägt der neue Lehrplan Rechnung, nach dem seit September in Hauptschulen und in der Unterstufe der Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS) unterrichtet wird.

Die Neuerungen der "Mittelstufenausbildung" ergaben sich aus dem Wunsch nach Themenbereichen, die fächerübergreifend unterrichtet werden - unter Gewichtung des schulinternen Schwerpunktes. Daraus ergaben sich die Hauptakzente einerseits in der Selbstständigkeit der Einzelschule (Schulautonomie) und andererseits in einer Vernetzung der Fächer, die globale Themen von verschiedenen Bereichen beleuchten und allgemeines Verständnis dem speziellen Fachwissen vorziehen sollen.

Der Lehrplan kennt festgelegte Kern- und Erweiterungsbereiche der Fächer. Durch die Formulierung verdichteter, stark zielorientierter Vorgaben (Kernbereiche) bleibt ein breiter Interpretationsraum für die LehrerInnen. Die Erweiterungsbereiche sollen eine stärkere Lebens(um)weltorientierung erzielen, denn Bildungsfragen sind Gesellschaftsfragen. Bildungswerte dürfen nicht von Lebenswerten getrennt werden. Durch die Auseinandersetzung mit globalen Themen im Unterricht - und zwar in der Form handlungsorientierter Projekte, sollen Heranwachsende auf demokratisches, politisches, kritisches und solidarisches Handeln vorbereitet werden. Darin liegt auch die Chance für die entwicklungspolitische Bildungsarbeit durch den neuen Lehrplan. Globales Lernen beinhaltet einen historischen und aktuellen, politisch/ökonomischen, ökologischen sowie kulturellen Weitblick, der Zusammenhänge verständlich und durchsichtiger macht, was sicherlich nicht allein im Fach "Geographie und Wirschaftskunde" vermittelt werden kann.

Unter dieser "Bildungsanforderung" gewinnt also manch vernachlässigter Inhalt an Bedeutung, welcher zu global war und deshalb gleich gar nicht angesprochen wurde. Engagierten Lehrerinnen und Lehrern bietet der neue Lehrplan eine Grundlage, Einsicht in Wechselwirkungen, Entwicklungsdiskrepanzen und weltweite Verflechtungen besser zu vermitteln und den SchülerInnen einen Blick für die Gegenwart und die Zukunft zu eröffnen.

Die Autorin ist ist Bildungsreferentin der entwicklungspolitischen Bildungsstelle BAOBAB in Wien, Lehrerin einer Hauptschule und Einstiegsbegleiterin für den neuen Lehrplan der Mittelstufe.

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