"Vernetzung gefragt" 12/00

Theorie und Praxis

Ihre Meinung in Ehren, aber aus der Praxis weiß ich, dass nicht der Lehrplan das Problem ist, sondern ein streng hierarchisches System, dem eine Lehrperson gegenübersteht und deren Basis sie darstellt. Ein hierarchisches System mit einer Einzelperson an der Spitze (DirektorIn) verführt zur totalen Anpassung, zu Sprechverboten, Ängsten. Es gibt keine Gremien, in denen Meinungsaustausch oder Meinungsbildungsprozesse öffentlich stattfinden könnten, die Auseinandersetzungen und Konflikte werden daher nicht untereinander, sondern über die Direktion ausgetragen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Schulleitung demokratisiert gehört, die Eltern ein Mitspracherecht bekommen und selbstverständlich auch die Kollegenschaft und die SchülerInnen. Demokratie muss am Arbeitsplatz beginnen, das ist entscheidend für die Bildung der Jugend. Die LehrerInnen müssen vorleben, wie sie Konfliktedemokratisch regeln, alles andere bleibt tote Theorie und wirkt auf die Jugendlichen uninteressant und unglaubwürdig.

Ingrid Gurtner
1080 Wien

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