Vertraute Exotik

Viele unserer Grundnahrungsmittel stammen aus der Neuen Welt. Ein neu erschienenes Kochbuch erinnert daran.

Von Irmgard Kirchner
"Morgen um acht bei mir? Ich koche indianisch." Freund S. staunte dann nicht schlecht. Pflegt er doch indisch und indianisch absichtlich zu verwechseln und es gewissermaßen Kolumbus gleichzutun. Der wollte ja auch den Seeweg nach Indien und nicht den Kontinent der Indianer entdecken.

Doch S., Steirer und in der Geschichte der heimischen Kulturpflanzen relativ unbeschlagen, staunte doppelt: als man ihm altbekannte Zutaten wie Kartoffel, Kürbis und Kukuruz (Mais) in raffinierter Zubereitung kredenzte: eine Kartoffelsuppe mit Quinoa, einen Tomaten-Kürbissalat, gebratene Babypute mit Chili und Salbei, und als Nachspeise Aztekischen Kakao mit Maisküchlein. Auf das traditionelle Maisbier der Inkas, Chicha, wurde am indianischen Abend verzichtet. Dabei soll es unserem modernen Hopfenbier gar nicht so unähnlich sein. Chicha kann übrigens auch aus Erdnüssen oder Kichererbsen gebraut werden.

Wer sich in der indianischen Kochkunst versuchen will, dem sei das Buch "Küchenschätze der Indios und Indianer" ans Herz gelegt. Darin sind auch die Rezepte für oben angeführte Speisenfolge nachzulesen.

Der Titel ist raffiniert gewählt: finden sich doch viele der zusammengetragenen Zutaten und Speisen in abgewandelter Form in der mexikanischen Küche. Und die ist fester Bestandteil der Ethnofood-Szene und klingt daher bei weitem nicht so exotisch wie "Die Küche der Pueblo".

Auch die Küche der IndianerInnen Nordamerikas ist so fremd nicht: Mit Ahornsirup, Wildreis und Cranberries macht ein USA-Reisender ziemlich sicher Bekanntschaft, ohne jemals das Territorium der Ojibwa-Indianer in Minnesota betreten zu haben.

Trotzdem: die Idee von dem Buch "Küchenschätze der Indios und Indianer" ist originell und das Ergebnis überraschend vertraut. Denn die in Amerika kultivierten Pflanzen erwiesen sich als echte Weltbürgerinnen: Längst haben wir vergessen, dass die Kartoffel, die aus Peru stammt, sich erst im 18. Jahrhundert auf den heimischen Äckern ausbreitete. Die ersten Maisfunde der Welt stammen aus Mexiko und sind ca. 9.000 Jahre alt. Uns ÖsterreicherInnen ist der Mais noch immer nicht ganz geheuer, deshalb verschwenden wir ihn als Viehfutter.

Und mit dem Kürbis wissen wir - abgesehen vom Öl, das aus den Kernen gepresst wird, auch nicht so richtig umzugehen. Wem er ausgehöhlt als Grusellaterne zu schade ist, der tue es Indios und Indianern gleich!

Ilona Steckhan (Text) und Carsten Eichner (Fotos): "Küchenschätze der Indios und Indianer", Hädecke Verlag, Weil in der Stadt 2000, 168 Seiten, öS 364,-

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