Viele Sorgen zu Semesterbeginn

Mit welchen Studienbedingungen sind Studierende aus dem globalen Süden konfrontiert? Und wie viele gibt es in Österreich überhaupt? Das Südwind-Magazin hat nachgefragt.

Von Stephanie Anko
Nicht immer zum Lachen zumute ist der Kenianerin Malaika Bahati und dem VAS-Obmann Youssouf Simbo Diakité (im Hintergrund): Afrikanische Studierende haben es in Österreich nicht leicht.

Malaika Bahati studiert Environmental Sciences, ein Studiengang an der Universität Wien. Die Kenianerin mag ihr Studium. Den Alltag in Österreich findet sie allerdings sehr herausfordernd: „Weil das Leben hier für mich bisher nicht gerade einfach war, werde ich nur für die Dauer meines Studiums in Österreich bleiben.“

Von den insgesamt knapp 300.000 Studierenden, die im Wintersemester 2012/2013 an einer österreichischen Universität inskribiert waren, hatten laut Statistik Austria rund 67.700 eine ausländische Staatsbürgerschaft. Rund 47.100 davon waren EU-Staatsbürgerinnen und -Staatsbürger. Länder des globalen Südens waren dabei zahlenmäßig schwach vertreten: 771 Studierende aus afrikanischen Staaten waren inskribiert. 753 Studierende kommen aus Zentral- und Südamerika (inkl. Mexiko), rund 4.660 aus asiatischen Staaten, davon aus Iran (971), China (799), Südkorea (390), Japan (321) und Indien (305).

Insgesamt hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der ausländischen Studierenden verdoppelt. Mónika Karácsony vom Afro-Asiatischen Institut (AAI) in Wien sieht dabei aber verschiedene Trends. Sie beobachtet etwa, dass in den Vorstudienlehrgang, eine Vorstufe zum ordentlichen Studium, mehr Studierende aus der Türkei oder Serbien kommen, dafür weniger aus Subsahara-Afrika. „Es heißt seit langem, die österreichischen Unis sollen internationaler werden.“ In Bezug auf den Süden „passiert jedoch genau das Gegenteil“, so Karácsony.

Im Jahr 2011 machten laut Statistik Austria 56 afrikanische Studierende ihren Abschluss an einer österreichischen Universität, 2010 waren es noch 86. Bei amerikanischen Studierenden (allerdings einschließlich USA und Kanada) blieb der Wert in etwa gleich (89 Abschlüsse im Jahr 2011, 88 im Jahr davor). 481 asiatische Studierende schlossen 2011 ab, 510 im Jahr 2010.

Drittstaatsangehörige zahlen je nach Universität 727 Euro oder 363 Euro Studiengebühren pro Semester. Anerkannte Flüchtlinge und Studierende aus den „am wenigsten entwickelten Ländern“ (so heißt es in der Studienbeitragsverordnung) sind davon befreit. Aufgelistet werden dabei rund 50 Staaten. Ob tatsächlich keine Studiengebühren gezahlt werden müssen, kann allerdings je nach Universität variieren. Das System sei verwirrend, so Rukiye Eraslan von der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH): „Syrer befinden sich manchmal sogar auf den Listen, die doppelte Studiengebühren (727 Euro, Anm.) festlegen“, so Eraslan. „Man sollte das der Realität anpassen.“

Der Österreichische Integrationsfonds vergibt zweimal jährlich an 20 Stipendiatinnen und Stipendiaten das Liese-Prokop-Stipendium: Neben 300 Euro im Monat werden die Studiengebühren bezahlt, dazu gibt es Weiterbildungsangebote.

Das Programm APPEAR des Österreichischen Austauschdienstes (ÖAD) und des Lateinamerika-Instituts (LAI) wird von der Austrian Development Agency (ADA) gefördert: Es vernetzt österreichische Hochschulen mit Hochschulen in den Schwerpunktländern der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Bisher sind so 17 Partnerschaften entstanden und 63 Stipendiatinnen und Stipendiaten unterstützt worden. Sie erhalten 1.000 Euro im Monat.

Das AAI gibt Zuschüsse in Notfällen, etwa, wenn ein Student die Studiengebühren nicht aufbringen kann. Die ÖH betreibt einen Sozialfonds. Studierende, die sich in finanzieller Notlage befinden, erhalten daraus einmalig Unterstützung.

Für Youssouf Simbo Diakité, Obmann des Vereins der afrikanischen Studentinnen und Studenten (VAS), ist das zu wenig Unterstützung. Zu prekär sei die Lage vieler Studierender. Die meisten der rund 50 Mitglieder des VAS haben eine Aufenthaltsbewilligung für Studierende, die nur für die Dauer des Studiums gilt. Die Möglichkeit zu arbeiten ist dabei sehr begrenzt. Zwischen zehn und 20 Stunden pro Woche dürfen sie arbeiten, je nachdem, in welchem Studienabschnitt sie sich befinden. 

Bei Malaika Bahati helfen die Eltern aus Kenia. Sie zahlen ihre Studiengebühren und die Miete im Studierendenheim, die 300 Euro im Monat ausmacht. Glücklich ist sie trotzdem nicht: „Ich bin von meinen Eltern abhängig“, betont sie.  Youssouf Simbo Diakité kennt viele Fälle, bei denen sich die Studierenden mehr schlecht als recht über Wasser halten, nicht zuletzt durch Schwarzarbeit.

Der VAS will für afrikanische Studierende da sein: Jenen, die es am dringendsten brauchen, werden Zimmer um 25 Euro im Monat in einem Heim der Österreichischen Jungarbeiterbewegung (ÖJAB) vermittelt. Der Verein organisiert zudem Veranstaltungen, die Studierenden die Möglichkeit zum Austausch geben. 
www.vas-oesterreich.at

Stephanie Anko arbeitet als freie Journalistin, vor allem für die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ). Die gebürtige Kärntnerin hat nigerianische Wurzeln.

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