Visionäre Afrikas. Der Kontinent in ungewöhnlichen Porträts

Moustapha Diallo (Hg.):

Peter Hammer Verlag, Wuppertal, 2014, 368 Seiten, € 29,90.

Diktatoren, Rebellenführer, Warlords: Viele Personen aus Afrika, von denen in den Medien berichtet wird, sind Schurken und/oder haben mit Kriegen, Katastrophen und Konflikten zu tun. Natürlich gibt es unzählige Kunstschaffende, kluge Köpfe und interessante Persönlichkeiten in den 54 Staaten des Kontinents. Nur wer sind sie? „Visionäre Afrikas“, herausgegeben vom Publizisten und Übersetzer M. Moustapha Diallo, stellt einige von ihnen vor. Den Leserinnen und Lesern werden 42 Porträts aus 23 Ländern geboten, darunter auf der einen Seite bekanntere Persönlichkeiten wie der Musiker Fela Kuti oder Patrice Lumumba, der für die Unabhängigkeit der heutigen Demokratischen Republik Kongo kämpfte. Von diesen prominenteren Vertreterinnen und Vertreter erfährt man wichtige Eckpunkte ihres Lebens und ihren individuellen Beitrag zur Geschichte und Entwicklung Afrikas. Von einigen anderen hingegen hat man als Durchschnittseuropäer noch nie gehört – trotz beachtlicher Leistungen: Valdiodio N’diaye etwa war ein senegalesischer Politiker, der in der Zeit vor sowie nach der Unabhängigkeit seines Heimatlandes 1960 eine wichtige Rolle spielte. Er stand für eigenständige, nach vorne blickende afrikanische Staaten ein.

Weldedingl ist der Name eines Dichters, der Anfang des 19. Jahrhunderts auf dem Gebiet des heutigen Eritrea die Kultur prägte, Mariama Bâ eine Pionierin der Literatur.

In der Vorstellung dieser weniger bekannten Afrikanerinnen und Afrikaner liegt der größte Mehrwert des Buches. Wer glaubt, der Kontinent habe keine Persönlichkeiten zu bieten, hat nach der Lektüre keine Ausrede mehr. Die porträtierten Menschen vermitteln zudem gleich wertvolles Wissen zur Geschichte und Gegenwart ihrer Länder und Regionen mit.

Die Qualität der Texte schwankt etwas. In manchen Geschichten ist man rascher drinnen als in anderen – aber das ist bei so vielen unterschiedlichen Autorinnen und Autoren (SchriftstellerInnen, WissenschaftlerInnen und JournalistInnen) wohl zwangsläufig so.

Ein Manko der „Visionäre Afrikas“ sind allerdings die spärlichen Bilder: Nur das Buch-Cover zieren Köpfe. Bei vielen historischen Personen existieren natürlich wenige Bilder. Aber es wäre sicher mehr möglich gewesen, so ist das Buch zu textlastig. Gerade bei einem Porträt-Buch will man als Leser auch ein Stück weit visuell begleitet werden. Trotzdem ist es ein empfehlenswertes Buch. Und angesichts der Tatsache, dass es noch viel mehr afrikanische Personen gibt, deren Geschichte wir hierzulande nicht kennen, gleich eine Aufforderung an Verlage und PublizistInnen: mehr davon!
Richard Solder

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