Vom Dritte-Welt-Basar …

Solidaritätskaffee aus Nicaragua durfte noch etwas bitter schmecken.

Die Anfänge des fairen Handels liegen in den 1970er Jahren. Entwicklungspolitische Aktionsgruppen gründeten mit Unterstützung vor allem kirchlicher Einrichtungen in einigen europäischen Ländern Importorganisationen. In Österreich war es die EZA Fairer Handel GmbH. Begonnen hat alles mit Kaffee, später kamen Kakao, Gewürze und Handwerksprodukte hinzu. Man kaufte direkt von Produzenten in Afrika, Asien und Lateinamerika. Die Idee: Den räuberischen Zwischenhandel zu umgehen und solidarisch gesinnten Menschen die Möglichkeit zu geben, nicht nur über Spenden, sondern mit der Einkaufstasche zu einer gerechteren Welt beizutragen. Vertrieben wurden die Produkte im Wesentlichen über Dritte-Welt-Basare und Weltläden. Der Kaffee der Sandinisten aus Nicaragua durfte damals ruhig ein wenig bitter schmecken.

Von den Produzenten kam später der Wunsch, eine Vermarktungsform zu finden, die den Umsatz wesentlich steigern könnte und damit ihr Einkommen. Die Idee des fairen Siegels wurde geboren und die Devise hieß: hinein in den Supermarkt. Anfangs war sie mit viel Skepsis von Seiten der „reinen Lehre“ betrachtet: Alternativer Handel sollte von der Herstellung bis ins Verkaufsregal das Gegenmodell zum „normalen“ Welthandel sein. Und: Politische Aufklärungsarbeit über ungerechte Wirtschaftsstrukturen sei ebenso wichtig wie der Verkauf selbst.

 


Der erste Dritte-Welt-Laden in Salzburg anno dazumal.

 

… hinein in den Supermarkt

Dennoch waren die Pioniere des alternativen Handels durchwegs Gründungsmitglieder der Siegelorganisation Fairtrade. In Österreich geschah dies 1993. Fairtrade treibt selbst keinen Handel, sondern vergibt das Fairtrade Gütesiegel. Lizenznehmer sind Importeure, Handelsketten etc., die sich verpflichten, bestimmte Produkte nach den Standards von Fairtrade bei zertifizierten Produzenten einzukaufen und sich regelmäßigen Kontrollen zu unterziehen. Durch gezieltes Marketing erweitert Fairtrade die Zahl der Lizenznehmer und der Großabnehmer wie Gemeinden und öffentliche Institutionen. Der Umsatz ist im Laufe der Jahre entsprechend in die Höhe geschnellt.

Weltläden und alternative Importorganisationen sind auch Lizenznehmer, aber gleichzeitig sozusagen die Spezialisten für faire Produkte, weil sie ausschließlich solche anbieten. Daneben sind sie weiterhin in intensiver Informationsarbeit involviert.

Label- und Produzentenorganisationen haben sich 1997 zu Fairtrade International (FLO) zusammengeschlossen. Hier werden die Standards und die strategische Richtung weiterentwickelt. Auch die Produzenten müssen für die Zertifizierung bezahlen. Auf der Generalversammlung von FLO haben die Produzentenvertreter 50 Prozent der Stimmen inne.
Die FLO-CERT GmbH ist für die Kontrollen (Audits) bei Produzentenorganisationen und Lizenznehmern zuständig. Diese Organisation ist nach der internationalen Qualitätsnorm ISO 65 akkreditiert. B.P.

Links:
www.fairtrade.at
www.eza.cc
www.weltlaeden.at
www.fairtrade.net
www.flo-cert.net
www.lemon-aid.de
www.zotter.at

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