Vom größten Wasserkraftwerk der Welt bedroht

Von Redaktion · · 2018/Jul-Aug

Indigene Gemeinschaft Paraguays kämpft um Bleiberecht.

Cristóbal Martínez hat bereits zwei Mal erlebt, wie seine Gemeinde vertrieben wurde. Das indigene Volk Ava Guaraní der Gemeinschaft Sauce in Paraguay lebt mit und am Wasser. Einmal waren sie dort Itaipú, dem lange größten Wasserkraftwerk der Welt, im Weg. Mit Hab und Gut waren die Menschen einst in die letzten Berge ihres angestammten Territoriums geflohen und mussten von dort mit ansehen, wie das Polizeifeuer ihr Dorf in Schutt und Asche legte. Doch das zweite Mal verließen sie ihren Fluss, den Río Paraná, nicht.

Am Morgen des 30. September 2016 marschierten zwölf Patrouillen ins Dorf ein, fanden aber niemanden vor. Männer, Frauen, Kinder und ältere Menschen suchten Zuflucht in der Nähe des Flusses Paraná.

Für die Guaraní ist das Yvy Marãe‘ỹ oder „Land ohne Böses” ein Ort in dieser Welt, an dem sie glücklich sein können. Für die Gemeinde in Paraguay hat dieser Ort Wasser, viel Wasser: es ist das Gebiet um den Río Paraná, den zweitlängsten Fluss Südamerikas.

Seit die Ava Guaraní nach Sauce zurückgekehrt waren, erhielt Martínez, Anführer der Gemeinschaft, mehrere Drohungen und ihm wurden Bestechungsgelder von bis zu fünfzigtausend US-Dollar von einem Sojahersteller auf der Suche nach Land angeboten.

Das größte Symbol des Fortschritts für die Militärdiktatur von Alfredo Stroessner war das Wasserkraftwerk Itaipú. Im April 1973 unterzeichnete Stroessner mit dem General Emilio Garrastazú Médici, dem damaligen Präsidenten Brasiliens, den Vertrag von Itaipú.

Insgesamt 38 indigene Gemeinschaften, 688 Familien, wurden im Zuge der Enteignung von 165.000 Hektar Land für den Bau des Itaipú-Damms aus ihren Gebieten vertrieben.

Fast ein Jahr nach der gewaltsamen Vertreibung 2016 zog sich die Gemeinschaft am 18. August 2017 vom Verhandlungstisch zurück, weil keine der Institutionen ihre Versprechen einhielt. Sie fordern jedoch weiterhin, dass ihr Hoheitsgebiet wiederhergestellt wird und dass der Staat seinen Verpflichtungen nachkommt.

Fernando Ferreira ist Journalist in Paraguay. Übersetzung: Nadine Ghanawi. Dieser Text erschien in längerer Fassung auf: globalvoices.org

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