Von Mao zu Bach. Wie ich die Kulturrevolution überlebte

Zhu Xiao-Mei

Von Thomas Divis
Biographie. Aus dem Französischen von Anna Kamp. Verlag Kunstmann, München 2009, 288 Seiten, EUR 9,90

Die Konzertpianistin Zhu Xiao-Mei schildert hier ihr Heranwachsen in China unter Mao. Obwohl sie glühende Anhängerin Maos war, erlebte sie zahlreiche Schikanen, da sie aus einer (klein-)bürgerlichen Familie kam. Zhu Xiao-Mei war Musikstudentin, als die so genannte "Kulturrevolution" stattfand. Sie selbst war eines der unzähligen Rädchen, das den damaligen Terror blind unterstützte.

Sie half, wie so viele ihrer MitstudentInnen, alle Noten klassischer "westlicher" Musik zu verbrennen und zog, ebenfalls freiwillig, ins Umerziehungslager, um eine gute Kommunistin zu werden.

Die zweite Hälfte des Buches behandelt Zhu Xiao-Meis Leben in den USA und Frankreich, nachdem sie mit einem Stipendium dorthin reisen konnte. Das vermeintliche Land der Freiheit entpuppt sich für sie als ein kulturloses Etwas, das nur schwer zu ertragen ist. Mei schildert eine Situation, in der sie von ihren wohlmeinenden ArbeitgeberInnen nach Disneyland eingeladen wird, damit sich ihre trübe Stimmung verbessere: "Ich muss sogar Mickey und Donald die Hand geben. Am Ende bin ich so erschöpft, dass ich ihnen sage, das Leben im Umerziehungslager sei zwar schwer gewesen, doch diese Art von moralischer Tortur sei uns dort erspart geblieben."

Mit einem ungemeinen Pensum an Arbeit und treuen FreundInnen wird sie es schließlich an die Spitze schaffen. Besonders berührend ist die Schilderung ihres Besuchs in der Leipziger Thomaskirche, wo der von ihr hoch verehrte J. S. Bach gearbeitet hat. Besonders dieser zweite Teil des Buches ist angereichert mit Reflexionen über klassische Musik und chinesische Philosophie sowie Ausführungen zu Interpretationsfragen von Klavierstücken. Die Biographie Zhu Xiao-Meis wird daher sowohl MusikfreundInnen ansprechen als auch Menschen, die sich für Zeitgeschichte und Interkulturalität interessieren.

Eine ergänzende Diskographie von Xiao-Meis CD-Einspielungen wäre wünschenswert gewesen.

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