Vorbild Schweiz

Von Werner Hörtner ·

Ein neues Projekt von TransFair und der Südwind Agentur will im deutschsprachigen Raum das Bewusstsein für den Sinn des gerechten Handels und den Marktanteil der entsprechenden Produkte steigern.

Der Faire Handel ist längst eine im entwicklungspolitischen Geschehen fest verankerte Institution geworden. In Europa gibt es in allen 15 EU-Ländern sowie in der Schweiz, in Norwegen und Malta Fair-Trade-Organisationen. Produkte des Fairen Handels werden in über 2700 Weltläden und mehr als 43.000 Supermärkten angeboten.

Dennoch ist das Volumen der in Europa abgesetzten Waren unbefriedigend; der Verkaufswert aller im Fairen Handel verkauften Produkte beträgt etwa 260 Millionen Euro. Die Marktführer in diesem Handelssegment sind Kaffee, Tee und Bananen. Die bravsten Fair-Trade-KonsumentInnen Wnden sich in der Schweiz. Dort haben es Bananen bereits auf einen Marktanteil von 17 Prozent, Tee auf vier Prozent (im Vergleich: Österreich 0,7 Prozent) und Kaffee auf drei Prozent (Österreich ebenfalls 0,7 Prozent) gebracht.

Eine Marktforschungsstudie in Österreich hat ergeben, dass es noch ein großes unerschlossenes Potential für Produkte des Fairen Handels gibt. Demnach dürften 32 Prozent der Bevölkerung bereit sein, entsprechende Erzeugnisse zu kaufen. Bei einer Umfrage in Deutschland erklärten gar 40 Prozent der Befragten, Kaffee oder Tee mit dem TransFair-Siegel kaufen zu wollen.

Demgegenüber stehen die niedrigen Marktanteile. Da erscheint es nur folgerichtig, durch gezielte Maßnahmen der Bildungs- und Informationsarbeit einen breiteren Kreis von KonsumentInnen für Produkte des Fairen Handels zu gewinnen und zu binden. Aus dieser Überlegung heraus entstand das – von der EU kofinanzierte und auf drei Jahre angelegte – Projekt ”Bildungsarbeit zu Fairem Handel in Deutschland, Österreich und Südtirol“.

Zur Erarbeitung einer Wanderausstellung zum Thema weilte der österreichische Fotograf Josef Polleross kürzlich in Mexiko und Ecuador. Im Süden des mexikanischen Bundesstaates Oaxaca besuchte er eine Kaffeebauern-Initiative, die für den Fairen Handel in den USA und in Europa produziert. FomCafé, so der Name der Organisation, hat sich in dem äußerst entlegenen, wirtschaftlich rückständigen Gebiet mit mehrheitlich indianischer Bevölkerung viel vorgenommen. Kurse in organischer Landwirtschaft, Verwaltung, Vermarktung werden abgehalten, Projekte zu Umweltschutz und angepassten Technologien durchgeführt. (Die Initiative hat auch eine Homepage: www.fomcafe.org)

Bananen sind der Hauptexportschlager Ecuadors. Hier sind die Umweltschäden der Produktion auf den Großplantagen deutlich sichtbar und nur langsam zu beheben. Polleross: ”Schon von außen sieht man einen großen Unterschied zwischen den herkömmlich bearbeiteten Bananenplantagen und jenen mit Bio-Bananen. Bei ersteren ist durch den Einsatz von Pestiziden und Chemikalien der Boden braun, abgestorben, während bei letzteren alles grün ist und man auch Tiere entdecken kann, Frösche, Mäuse, Eidechsen, Salamander, und die Vögel zwitschern.“

Der Marktpreis für eine Schachtel Bananen (18 Kilo) liegt bei drei US-Dollar, für Fair-Trade-Bananen erhalten die ProduzentInnen 7,75 und für Bio noch einmal einen US-Dollar mehr. 1,75 US-Dollar vom Mehrpreis sind für Investitionen in Infrastruktur, Bildung und ökologische Maßnahmen bestimmt.

An den Häusern der Bananenbauern, die für den Fairen Handel produzieren, ist die Verbesserung der Lebenssituation schon von außen deutlich sichtbar. Die Produktionsgenossenschaft ist sehr um das Wohlergehen und die Fortbildung ihrer Mitglieder bemüht. Mittlerweile werden schon 17.000 Schachteln pro Woche geerntet, so dass beim Verschiffen ein Wxer Laderaum gepachtet und somit der Zwischenhandel ausgeschaltet werden konnte.

Die oben erwähnte Marktforschungsstudie zeigte auch, dass vor allem Jugendliche und junge Erwachsene an diesem Thema interessiert sind. Sie sind auch die vorwiegende Zielgruppe des Projekts, an die mit Vorschlägen und Angeboten herangetreten werden soll, wie sie selber zur Verbesserung von Missständen beitragen können. Das Bildungsprogramm des Projekts wird in Österreich an 75 Schulen umgesetzt; in neun Städten werden Aktionswochen rund um die Wanderausstellung durchgeführt.

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