Wachstum und Entwicklung

Von Werner Hörtner
Biologische Ernährung, faire Kleidung und Vielfliegerei ist kein Widerspruch; zu jeder Klimakonferenz reisen tausende Fachleute mit dem Flugzeug an.

Was haben Wirtschaftswachstum, Entwicklung und Armutsbekämpfung miteinander zu tun? Viel, sagen die Politiker und Politikerinnen. „Ohne Wachstum kein Geld für die Bildung, ohne Wachstum keine Hilfe für die Schwächeren“, ist Deutschlands Bundeskanzlerin Merkel überzeugt. Und sie schwärmen vom wirtschaftlichen Wachstum als wirksamster Maßnahme für die ärmeren Bevölkerungsschichten, am gesamtwirtschaftlichen Reichtum teilzuhaben.

Doch alle Statistiken zeigen einen klaren Trend zu steigender Einkommensungleichheit auf – bei durchwegs wachsendem Bruttoinlandsprodukt. Positive Effekte gab es nur dort, wo das Wachstum in anderen Sektoren (z.B. in der exportorientierten Landwirtschaft) erzielt und dann zumindest teilweise an die ärmeren Bevölkerungsschichten umverteilt wurde, wie in Brasilien unter Präsident Lula. Doch geht diese ressourcenaufwändige Agrarwirtschaft meistens zu Lasten der Natur und – im Fall Brasiliens – auch der indigenen Völker. Darüber hinaus sind Sozialtransfers sehr konjunkturanfällig (z.B. Änderung der Regierungspolitik, Einbruch der Exportwirtschaft).

Weltbank und UN-Organisationen setzen seit der Rio-plus 20-Konferenz vor zwei Jahren verstärkt auf die „Green Economy“, um die Zukunftsfähigkeit unseres Planeten zu erhalten. Was davon zu erwarten ist, wird in den folgenden Beiträgen ausführlich dargestellt.

Um die Welt aus der zerstörerischen Sackgasse, in die sie das Wachstumskonzept des Industriezeitalters geführt hat, wieder herauszuholen, braucht es einen völligen Neuanfang, darin sind sich Tim Jackson und Meinhard Miegel, beide Autoren von Sachbüchern zum Thema, einig. Wobei ersterer eine Neuorientierung des Wirtschaftens, letzterer eine geistig-kulturelle Neuorientierung meint, eine Neubewertung des Stellenwertes von Arbeit, Freizeit, Konsum, menschlichen Beziehungen, Lebensglück. Kein leichter Weg angesichts der Hartnäckigkeit, mit der sich das Wachstumsdogma in unseren Köpfen eingenistet hat. Doch nur durch ein reduktives Wirtschaftssystem, durch eine Schrumpfung des Ressourcenverbrauches ist eine Entwicklung innerhalb der Tragfähigkeitsgrenzen der Erde möglich.

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