Walt Disney

Und ewig lockt die Maus

"Walt Disney": Eine Welt für sich

Von Irmgard Kirchner
Walt Disneys Mickey Maus war das erste Zeitschriftenabo in meiner Kinderstube. Eine Unachtsamkeit meiner Mutter, die von einer Abo-werbenden Hausiererin überredet worden war. Meine Geschwister und ich genossen den nur ein Jahr lang währenden Luxus. Ich konnte noch nicht lesen, doch die Bilder sprachen für sich. In den Jahren meiner späteren Kindheit bekam ich die bunten Comics als Trostpflaster im Krankenbett oder auf dem Tauschweg von Freundinnen und Freunden.

Auch heute sind Disney-Figuren allgegenwärtig in Kinderzimmern rund um den Globus - zumindest überall dort, wo man es sich leisten kann, als Folge des Kinobesuchs noch den passenden Löwenkönig aus Plüsch oder das Dalmatiner- T-Shirt zu erwerben.

Bereits 1937 produzierte Walt Disney (1901-1966) den ersten Zeichentrickfilm mit Ton. Und Mickey, die clevere Maus, feierte letztes Jahr ihren 70. Geburtstag. Längst ist der von Walt Disney geschaffene Konzern ein Gigant der Medien- und Unterhaltungsbranche. Eben setzt er mit seinem neuesten Produkt, dem Zeichentrickfilm "Mulan", zum Sturm auf den chinesischen Markt an.

In anderen asiatischen Staaten ist Disney bereits gut etabliert. (In Indonesien heißt Onkel Dagobert alias Uncle Scrooge übrigens Paman Gober und Onkel Donald wird als Danal Bebek ebendort von seinen altklugen Neffen Kwik, Kwek und Kwak ausgetrickst).

Der Disney-Konzern ist ein einflußreicher Global Player. Disney-Artikel werden in Billiglohnländern unter schlechtesten Arbeitsbedingungen hergestellt. Die beliebten Dalmatiner-Kleidungsstücke etwa kommen aus Sweatshops in Haiti. Die von Disney erfundenen "Themenparks" werden weltweit kopiert. "Disneyfizierung" ist dann im Gange, wenn an die Stelle der Welt aus Fleisch und Blut das keimfreie, berechenbare, geplante und bezahlte Naturerlebnis tritt.

Ein globales und auch hierzulande hochaktuelles Thema, verfolgt man die Debatte um die Zukunft des österreichischen Tourismus.

Folgende Seiten haben wir von unserer Partnerzeitschrift New Internationalist übernommen. Unsere KollegInnen aus Oxford haben damit ein spannendes, zukunftsweisendes Thema aufgegriffen. Es geht dabei nicht darum, Ihnen die Unterhaltung zu verderben. Und bei aller Kritik gesteht sogar der verantwortliche New-Internationalist-Redakteur Wayne Ellwood in seinem Editorial, ein ehemaliger Disneysüchtiger zu sein.

Doch das Welt- und Menschenbild eines der einflußreichsten Medien- und Unterhaltungsproduzenten ist auf jeden Fall eine nähere Betrachtung wert. Vielleicht freuen Sie sich nach der Lektüre bei ihrer nächsten Bergwanderung über lästige Insekten. In den Bergen von Disneyland passiert Ihnen das sicher nicht mehr.

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen