Waris Dirie: Schmerzenskinder

Von Eva M. Bachinger
Marion von Schröder Verlag, Berlin 2005, 256 Seiten, € 18,50

Zugegeben: die Erwartungen sind hochgeschraubt, wenn man ein Buch zur Hand nimmt, das erstens ein brisantes Problem zum Thema hat, und zweitens, nicht nur von einer Bestsellerautorin geschrieben ist, sondern zusätzlich noch von drei begabten, jungen Journalistinnen. „Schmerzenskinder“, das dritte Buch des früheren Topmodels Waris Dirie über weibliche Genitalverstümmelung in Europa, löst solche Erwartungen aus. Doch die werden enttäuscht.
Die Leserin, der Leser merkt, dass viel Recherchearbeit dahinter steckt – was wohl vor allem auf das Konto der drei Wiener Journalistinnen Corinna Milborn, Lea Friessner und Julia Raabe geht. Und ebenso viel Herzblut ist unübersehbar – für das vorwiegend Dirie sorgt, die als kleines Mädchen im Alter von fünf Jahren die schlimmste Form der grausamen Verstümmelung der weiblichen Geschlechtsorgane erlitten hatte. Die Schilderungen über ihr traumatisches Erlebnis und die Erfahrungen von anderen Frauen, denen sie während der Arbeit am Buch begegnet ist, gehen unter die Haut. Oder als Leserin vielmehr in den Unterleib.
Es schadet auch keineswegs, eigene Gefühle, die eigene Wut und Betroffenheit darüber, dass diese Verbrechen nicht nur „irgendwo in Afrika“ passieren, sondern mitten in Europa, in dieses Buch hineinzupacken. Doch manchmal beschleicht einen schon das Gefühl, dass es zu viel wird. Da liegt auch die Schwäche dieses sicher wichtigen und mutigen Buches: Es neigt zu Wiederholungen, inhaltlich und emotional. Knallharte Fakten lösen oft mehr Betroffenheit und Nachdenklichkeit aus als zornige, sich wiederholende Tiraden. Den LeserInnen ist eines sicher zuzutrauen und sollte ihnen nicht ständig vorgesetzt werden: die eigene Betroffenheit und Sensibilität.

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