Warum Grundeinkommen nicht faul macht …

Von Christina Bell · · 2015/09

… erklärt der Kultur- und Sozialanthropologe Christof Lammer.

Ist eine Umsetzung des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) in Krisenzeiten nicht weiter weg als je zuvor?

Nicht unbedingt. Krisen bieten immer auch Möglichkeiten, Neues zu wagen. Das Grundeinkommen könnte der Ausweg aus unseren Mehrfachkrisen sein.

KritikerInnen bemängeln, ein BGE würde den Menschen jeden Anreiz nehmen, zu arbeiten. Was sagen Sie dazu?

Welche Vorstellung steckt hinter dieser „Verschwörungstheorie“, wie Daniel Häni das unlängst nannte? Ein auf Erwerbsarbeit beschränkter Arbeitsbegriff. Notwendige, aber unbezahlte Tätigkeiten wie Sorgearbeit werden so ausgeblendet. Gleichzeitig wird unterstellt, dass jede Lohnarbeit wünschenswert wäre.

Es gab bereits Pilotprojekte, etwa in Namibia. Wie erfolgreich waren/sind diese?

Das 2008 begonnene Projekt in Otjivero erlangte viel Aufmerksamkeit. Die Resultate sind jedoch umstritten, da der einzigen Studie Intransparenz vorgeworfen wird. Neue Ergebnisse von Pilotprojekten in Indien zeigen aber, dass wirtschaftliche Aktivitäten zu- und nicht abnehmen. Die Menschen werden nicht faul.

Welches Land ist der Umsetzung am nächsten?

Brasilien nahm 2004 als erstes Land das Grundeinkommen als Ziel in die Verfassung auf. In Namibia sitzen nun BGE-Befürworter in der Regierung. In mehreren Städten der Niederlande sind ab Herbst Pilotprojekte geplant – erstmals in Europa. Die Schweiz stimmt 2016 über die landesweite Einführung des BGE ab. 

Was passiert in der Internationalen Woche des Grundeinkommens?

Erstmals tut sich auch etwas außerhalb Europas – in Nordamerika, Indien und China. In Österreich reicht das Programm von Filmen in Kinos von Baden bis Bregenz über Theater, Straßenaktionen, Frühstücke und Vorträge bis zu einer international besetzten Podiumsdiskussion.

Christof Lammer ist Mitglied im Netzwerk Grundeinkommen und sozialer Zusammenhalt – B.I.E.N. Österreich.

Internationale Woche des Grundeinkommens, 14. bis 20. September. Infos und Programm in Österreich: www.pro-grundeinkommen.at

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