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Warum sammeln Senioren Karton?

Zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit wird in Singapur das Fortbestehen von Ungleichheit diskutiert.

Von Mong Palatino

Die Not der Kartonsammler ist zu einem viel diskutierten Thema in Singapur geworden. Ein Minister hatte nach einem spontanen Straßeninterview den Schluss gezogen, dass die älteren Menschen, die auf den Straßen Karton sammeln, dies als eine Art Sport betrieben.

Gemeinsam mit jugendlichen Freiwilligen hatte der Minister für Soziales und Familie, Tan Chuan-Jin, sich auf der Straße mit ein paar älteren Kartonsammlern unterhalten und seine Erkenntnisse auf Facebook gepostet. Der Beitrag verbreitete sich viral, und viele Menschen beschuldigten den Minister, das Armutsproblem des Landes zu verharmlosen.

Was hatte Tan Chuan-Jin geschrieben, das so harsche Reaktionen hervor rief? Erstens bezweifelte er, dass die Kartonsammler finanzielle Probleme hätten. Zweitens beschrieb er das Sammeln als eine Form der Bewegung. Drittens, schrieb er, hätten viele Menschen einen falschen Eindruck von den Menschen, die Karton sammeln, an denen eine Art Stigma hafte.

Die Reaktionen in den sozialen Medien waren kritisch gegenüber den Interpretationen des Ministers und warfen ihm vor, keinen Bezug zur Realität zu haben. Ariffin Sha, die mit ihrer Stiftung Happy People Helping People Kartonsammler begleitet hat, unterstreicht, dass Kartonsammeln keine angenehme körperliche Aktivität ist: „Unter der sengenden Hitze hart zu arbeiten ist nichts, das jemand aus Vergnügen macht. Stellt man sie vor die Wahl, ob sie Kartonsammeln oder eine andere Arbeit machen wollen, wählen fast alle ohne Zögern die andere Arbeit.“

Durch das Posting interessieren sich nun viele für das Schicksal der Kartonsammler des Landes. Während manchen das unangenehm ist, haben andere ihre Erfahrungen online gestellt. Auch über die Preise wurde berichtet: Demzufolge bekommt man für ein Kilo gebrauchten Karton ca. zehn Cent. An einem Tag verdienen die Sammler ca. 4-5 Singapur-Dollar (ca. 3 US-Dollar).

Mong Palatino ist Südasien-Redakteur bei „Global Voices“. Der Text erschien dort in einer längeren Version und auf Englisch. Seit 2004 bloggt der Aktivist und frühere philippinische Kongressabgeordnete auf mongpalatino.com .

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