Wasser für Jatari

Mit Hilfe aus Österreich baut eine Indiogemeinde in Ecuador eine neue Wasserleitung. Und danach wird vielleicht die Wiederaufforstung in Angriff genommen.

Von Stefan Pleger
Die knapp 300 Indiofamilien, die in Jatari leben, gehören zu jenen mehr als 50 Prozent der ecuadorianischen Bevölkerung, die ohne sauberes Trinkwasser auskommen müssen. Die kleine Wasserleitung, die sie vor 24 Jahren selbst angelegt haben, ist längst kaputt und nicht mehr zu reparieren. Die Frauen müssen das Trinkwasser in Kanistern und großen Tonkrügen von der drei Kilometer entfernten Quelle zu ihren Häusern tragen. Der Wille, eine neue Wasserleitung anzulegen, ist zwar längst da, doch bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von umgerechnet etwa 40 Euro fehlt das nötige Kapital, um die Materialien kaufen zu können.
Für die 16 Kilometer von Riobamba, der Hauptstadt der Provinz Chimborazo, braucht man mit dem Auto gut eine halbe Stunde, ehe man die Ortschaft Jatari, auf 3.400 Meter Höhe im Andenhochland gelegen, erreicht.
Hector Santos springt von der Ladefläche und begrüßt die herbeieilenden Frauen. Hector ist Projektleiter für Wasserprojekte der in Riobamba ansässigen Nichtregierungsorganisation CEAS, was übersetzt soviel bedeutet wie Zentrum für Bewusstseinsbildung und Soziales. Gegründet von dem legendären Bischof Leonidas Proaño, versucht die Organisation seit über drei Jahrzehnten, „die Würde der Indios“ zu stärken, wie es der als „Bischof der Indios“ bekannt gewordene Geistliche formulierte. Der Befreiungstheologe, der über drei Jahrzehnte der Diözese Riobamba vorstand, hatte 1988 in Wien den Bruno Kreisky-Preis für Menschenrechte entgegengenommen und war kurz darauf verstorben.
„Es geht darum, den Menschen hier bewusst zu machen, welche Möglichkeiten sie haben, sich selbst zu helfen. Wir beraten sie und helfen ihnen gegebenenfalls, Geldgeber für ihre Projekte zu finden“, erklärt Hector. Eine der Frauen, die Hector begrüßt, ist die Leiterin des örtlichen Wasserkomitees. Sie war es, die gemeinsam mit anderen Frauen an CEAS herangetreten ist und um Hilfe gebeten hat, denn auf Hilfe von Seiten des Staates haben die Frauen hier schon zu lange vergeblich gewartet.

„Ohne Wasser verdorrt die Ernte in unseren Gärten, und unsere Kinder werden krank, weil es nicht genug sauberes Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen gibt“, erklärt sie. Aber jetzt haben sie und die anderen wieder Hoffnung geschöpft. Die Pläne über den Verlauf der Rohrleitung sind schon fertig, mit den Bauarbeiten für die Erfassung des Quellwassers wurde bereits begonnen. Die Arbeiten leistet die Dorfgemeinschaft gemeinsam, auch ein kleiner finanzieller Beitrag von jeder Familie für die Wartung der Wasserleitung soll eingehoben und gemeinschaftlich verwaltet werden. Anfänglich wird es für jeweils zwei Familien einen Wasseranschluss geben, später einmal soll jedes Haus einen Wasserhahn bekommen.
Damit wird ein erster Schritt getan sein, um die Lebensbedingungen im Dorf etwas zu verbessern. Vielleicht kann dadurch auch die eine oder andere Familie davon abgehalten werden, in der Stadt ein besseres Leben zu suchen. Eine Suche, die häufig in den immer größer werdenden Armenvierteln rund um Quito oder eine der anderen großen Städte Ecuadors endet.

Doch CEAS möchte über die technische Beratung zum Bau von Wasserleitungen hinaus noch mehr anbieten. Vorträge über Hygiene und Umweltschutz haben bereits begonnen. Und die DorfbewohnerInnen von Jatari überlegen schon, ob sie nach dem Bau der Wasserleitung das Angebot von CEAS wahrnehmen und aus der Baumschule, die die Organisation in Riobamba hat, kleine Setzlinge ankaufen, um die Wiederaufforstung der steilen, von Erosion betroffenen Berghänge zu beginnen.
Zu sehen, dass sie selbst etwas bewegen kann, hat die Dorfgemeinschaft gestärkt und motiviert. Und Eigeninitiative ist das Einzige, auf das sich die Indígenas verlassen können, denn dass all die Versprechen des neuen Präsidenten Correa rasch umgesetzt werden, glaubt keiner so recht, auch wenn er als Kämpfer für ihre Rechte gilt.

Stefan Pleger ist Vorstandsmitglied von Ärzte ohne Grenzen Österreich und bereist derzeit Ecuador.

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