Wassermangel in den Fluten

Die Flutkatastrophe in Mosambik erschüttert die Welt. Um Epidemien zu verhindern, muss ausreichend Trinkwasser für die betroffene Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden. Das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) ist international aufgrund seiner Kenntnisse

Von Lydia Matzka
Wo zu viel Wasser ist, wird sauberes Wasser knapp. Mosambik im Februar: Bilder von Menschen, die in den Fluten auf Bäumen und Dächern sitzend auf Hilfe warten, gehen um die Welt. Über eine Million Menschen sind obdachlos. Hunderte von Leichen wurden bereits geborgen. Die Zahl der Todesopfer steigt mit dem Rückgang der Fluten und mit der Zeit, die die ohne Wasser und Nahrung auf Bäumen ausharrenden Menschen nicht haben.

Internationale Hilfe ist zwar angelaufen, allerdings viel zu spät. Erst nach der zweiten Flutwelle Ende Februar reagiert das Ausland. Mit Hubschraubern werden Opfer in Sicherheit gebracht. Hunderttausende von den Überschwemmungen betroffene Menschen warten auf Hilfe. Es mangelt an allem, an Behausung, an Essen, an Medikamenten und vor allem an Trinkwasser.

Die Menschen schöpfen trotz drohender Krankheiten das durch Kadaver und Fäkalien verseuchte Wasser aus den Brunnen. Erste Cholera-Fälle sind bereits aufgetreten und die Gefahr eines Epidemie-Ausbruches in den überfülllten Lagern wächst tagtäglich. Die Zahl der Malaria-Erkrankungen hat sich seit Beginn der Katastrophe Anfang Februar verdreifacht.

Das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) hat sich bei der Katastrophenhilfe auf die Bereiche Trinkwasser und Hygiene spezialisiert und ist jetzt auch in Mosambik aktiv. Der Start der Kampagne "Wasser ist Leben" fiel zufällig mit der Mosambik-Katastrophe zusammen. Anlass war der Weltwassertag am 22. März.

Die Österreicher werden international aufgrund ihres Know-hows und ihrer Auslandserfahrungen geschätzt. So sorgten die ERUs (Emergency Response Units) bereits in Zaire, Uganda, Peru, Honduras und zuletzt nach dem schweren Erdbeben in der Türkei für die Trinkwasserversorgung der lokalen Bevölkerung.

Diese ERUs sind innerhalb von 48 Stunden einsatzbereit. Nach Mosambik wurden keine solchen Soforteinsatztruppen geschickt. Experten des ÖRK waren allerdings bereits nach der ersten Flutwelle in Mosambik und führten in Kooperation mit dem Internationalen Roten Kreuz Bohrungen in der Provinz Gaza (Region Chokwe) durch und kontrollierten die vorhandenen Brunnen. Viele waren aufgrund der Katastrophe beschädigt oder nicht brauchbar, weil das Wasser bereits verseucht war.

Ein Mensch braucht mindestens 15 Liter Wasser am Tag zum Trinken, Kochen und für die persönliche Hygiene. In Cholerazentren liegt der Mindestbedarf gar bei 60 Litern pro Person und Tag, der Verbrauch für die Wäscherei und andere Hygienemaßnahmen ist dabei mitgerechnet. In Spitälern werden 40 bis 60 Liter pro Person benötigt.

"Am 26. Februar wurden wir dann selber von der Flutwelle überrascht", erzählt Joe Gramann, ÖRK-Koordinator für Mosambik. Die Arbeit verzögerte sich aufgrund der schwierigen Bedingungen. Am 8. März konnte dann mit den Arbeiten für die Trinkwasserversorgung begonnen werden.

Die Methode ist einfach: Lokale Firmen bohren ein zwischen 30 und 60 Meter tiefes Loch, denn erst ab dieser Tiefe findet man sauberes Grundwasser. Das Rohr, das dann versenkt wird und auf das eine mechanische Pumpe aufgesetzt wird, hat einen Durchmesser von 12-15 Zentimetern. In die Brunnen werden nun Chlor-Tabletten gegeben. Erst dann kann das Wasser getrunken werden. In einem zweiten Schritt bauen die Helfer so genannte Afridev-Handpumpen:. Das sind einfach handhabbare Konstruktionen, die man auch hierzulande noch vor Almhütten findet. Die Pumpen sind in ca. drei Tagen fertiginstalliert. Eine Pumpe kostet ca. 5.000 US-Dollar. Die Kosten übernimmt die Hilfsorganisation selbst. Das ÖRK hat für Mosambik 1,5 Millionen Schilling bereit gestellt. Damit werden 20 Brunnen neu gebaut und fünf beschädigte wiederhergestellt.

Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit stellt zehn Millionen Schilling an Soforthilfe zur Verfügung. Mosambik ist eines der Schwerpunktländer der österreichischen EZA. Eine Reihe von Spendenkonten wurden eingerichtet.

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