„Weiter gegen Klimawandel vorgehen“

Wieso Aktionen gegen den Klimawandel unter US-Präsident Donald Trump wichtiger sind denn je, erklärt Bunny McDiarmid, Geschäftsführerin von Greenpeace International, im Interview.

Bewegter Job: Bunny McDiarmid (zweite von links, zur Zeit der Aufnahme Chefin von Greenpeace Neuseeland) in Aktion, im Hintergrund das Schiff Rainbow Warrior.© Dave Hansford / Greenpeace

Wie hat sich die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten auf die Arbeit und die Strategie von Greenpeace ausgewirkt?

Wir können natürlich nicht ignorieren, dass Trump und einige seiner Regierungsmitglieder keine UnterstützerInnen von Aktionen gegen den Klimawandel sind. Das ist ein Problem, nicht nur für die Vereinigten Staaten, sondern auch für die restliche Welt, weil die USA immer noch ein großer CO2-Verursacher sind. Aber dass Trump gewählt wurde, hindert uns nicht daran, weiterhin gegen den Klimawandel vorzugehen. Viele Menschen in den USA wollen das ja auch, darunter selbst Republikaner und Unternehmer.

Wir mussten unsere Strategien eben dem Kontext anpassen. Das führte allerdings zu viel mehr Zusammenarbeit mit anderen Organisationen. Wie Trump mit Klimawandel, sozialen Fragen oder auch Immigration umgeht, macht viele Menschen betroffen und bringt sie so zusammen. Diese stärkere Vernetzung ist ein sehr positiver Effekt.

Das Pariser Abkommen, das bei der UN-Konferenz 2015 beschlossen wurde, gilt als ein großer Erfolg. Wie wirksam sind Klimakonferenzen?

Ich finde sie wichtig. Aber sie wirksam zu machen, das passiert erst danach. Dass das Pariser Abkommen den schnellsten Ratifizierungsprozess der Geschichte hatte, ist ein sehr gutes Zeichen. Jetzt geht es darum, dass die Staaten ihre Versprechen auch einhalten. Es braucht die Zivilgesellschaft, Firmen und Regierungen, um etwas weiterzubewegen. Und es benötigt einen radikalen Wandel unseres wirtschaftlichen, politischen und sozialen Systems.

Wie kann es zu so einem Wandel kommen?

Ich denke, der passiert schon! Es gibt schon viele Veränderungen bezogen auf unterschiedliche Fragen: Wie gehen wir mit Energie um? Wie bauen wir unsere Lebensmittel an? Wie können wir Demokratie besser gestalten? Funktionieren die Wirtschaftssysteme, die wir aufgebaut haben, nach unseren Interessen? Wir müssen Energie und Aktivismus in diese positiven Veränderungen stecken, um sie zu unterstützen.

Wer ist „wir“?

Das sind du und ich! Und alle, die erkennen, dass andere Wege möglich sind und bereits existieren. Ebenso sind es Unternehmen, die sich in diese Richtung bewegen. Gemeinsam müssen wir Druck auf unsere Regierungen ausüben, um Gesellschaft danach zu gestalten, was wir Menschen und der Planet brauchen. Entscheidungen, die auf Regierungsebene, oder in anderen institutionellen Einrichtungen getroffen werden, sollen die Interessen der Mehrheit, nicht einer Minderheit repräsentieren. Dieser Prozess wird Anstrengung erfordern. Insbesondere die Zivilgesellschaft ist dabei sehr wichtig.

Vermissen Sie es, Aktivistin zu sein?

Ich fühle mich immer noch als Aktivistin. Man muss keine Schornsteine raufklettern oder sich an ein Rohr ketten, um Aktivistin zu sein. Manchmal kann einfach jemand, der sagt, dass er eine andere Meinung hat, Aktivist sein. Es geht um eine aktivistische Haltung! Dir selbst treu zu sein ist wahrhaft aktivistisch.

Ich habe vor ein paar Wochen in Belgien an einer Aktion teilgenommen. Wir haben gegen Total protestiert, einen Ölkonzern, der im Amazonas fördern will, wo erst vor kurzem ein Korallenriff entdeckt wurde. Wir sind also in die Total-Raffinerie gegangen und haben eine Menge Banner aufgehängt. Es war großartig! Manchmal vergessen wir, wie motivierend es ist, in einer Gruppe mit einem gemeinsamen Anliegen etwas zu machen. Es stärkt den Optimismus, die Hoffnung, es ist wirklich inspirierend. Und es kann tatsächlich etwas verändern.

Interview: Monika Austaller

Monika Austaller ist Journalistin und studiert Socio-Ecological Economics and Policy an der Wirtschaftsuniversität Wien.

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