Wenn die Wüste Oasen frisst

Ein Österreichisches Forschungsprojekt will - in internationaler Kooperation - die Ausbreitung der Taklamakan-Wüste in China eindämmen und damit die Oasen-Feldwirtschaft sichern.

Von Lydia Matzka
Im April und Mai wüten meist heftige Sandstürme in der Taklamakan-Wüste. Der feine Sand legt sich auf alles. Wie eine zweite Haut ist er am ganzen Körper zu spüren. Tagelang kommt keine Sonne durch, sodass der aufgewirbelte Sand ein Schutzschild bildet, das Temperaturschwankungen zur Folge hat. Binnen drei Tagen sinken sie von 25 auf 15 Grad Celsius. Die Menschen, die hier in Oasen leben, die Uiguren, führen täglich Kampf gegen die Wüste. Die Sanddünen rücken immer näher und bedrohen zunehmend die OasenbewohnerInnen.

Die Wüste ist umrandet von sehr hohen Gebirgszügen, im Norden vom Tian-Shan und im Süden vom Kunlun-Gebirge. Der Regen bleibt an den Gipfeln der mächtigen Berge hängen, eine Öffnung gibt es nur im Osten. Im Sommer herrschen in der Taklamakan Temperaturen von über 40 Grad, während es im Winter minus 20 Grad hat.

Die extremen Temperaturen und der geringe Niederschlag erschweren die Lebensbedingungen in der Taklamakan. Der fruchtbare Löss eignet sich hingegen sehr gut für eine landwirtschaftliche Nutzung. Die Felder werden durch Pappeln vor dem Wind geschützt und sind von säuberlich angelegten Bewässerungsgräben begrenzt.

Die Oasen werden vor der sich ausbreitenden Wüste durch einen natürlichen Vegetationsgürtel geschützt. Durch das Bevölkerungswachstum und die Ausweitung der Anbauflächen wird jetzt auch dieses Areal von Mensch und Tier beansprucht. "Die Uiguren ziehen mit ihren Ziegen- und Schafherden in die Schutzzone hinaus und suchen nach Brennholz", erzählt Stefan Arndt vom Institut für Ökologie und Naturschutz an der Universität Wien. Überweidung und Übernutzung der Vegetation haben zur Folge, dass an vielen Stellen der Schutzgürtel zerstört wird und die Wüste sich in die Oasen ausdehnen kann.

Das Problem der Zerstörung des Schutzgürtels steht im Mittelpunkt der Untersuchungen der Wiener Biologen Marianne Popp, Stefan Arndt, Christina Arampatsis und Ansgar Kahmen. In Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen, dem State Key Laboratory for Agriculture in Lanchou, der Chinesischen Akademie der Naturwissenschaften und jener der Sozialwissenschaften wird die Vegetation der Schutzzone der Oase Qira untersucht. Eine dort häufig vorkommende Pflanze ist neben dem Tamariskenstrauch auch der Alhagi. Diese Pflanze wurzelt sehr tief und bildet unterirdisch auch horizontale Triebe, sodass dieses Flechtwerk aus Ästen, Wurzeln und Trieben den Löss-Boden beisammen hält. Die Oase wird wirksam vor eindringendem Sand schützt.

Die ökologischen Grundlagen für eine nachhaltige Nutzung der Schutzvegetation sollen untersucht werden. Die Forscher gehen dabei auf die Bedürfnisse der Uiguren ein. Die BewohnerInnen nutzen diese Schutzpflanzen auf jeden Fall. Es muss also herausgefunden werden, wo die Grenze zwischen sanfter Nutzung und Zerstörung liegt. Auf ausgewählten Versuchsflächen werden die dort vorkommenden Wüstenpflanzen untersucht, ihr Wachstum bei verschiedenen Nutzungsvarianten beobachtet und ihre Resistenz gegen Trockenheit studiert.

Die Forschungsarbeiten wurden am 1. August 1998 begonnen. Das Projekt, das im Rahmen des EU-Programmes INCO-DEV (Forschungszusammenarbeit mit Staaten des Südens) gefördert wird, dauert insgesamt drei Jahre.

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