Wenn Leid Aufmerksamkeit bringt

Von Richard Solder ·

Nach dem Einsturz der Textilfabrik in Bangladesch rissen sich Österreichs Medien um Michaela Königshofer, die Leiterin der Clean Clothes Kampagne Österreich. Ein Blick hinter die Kulissen.

Es war die schlimmste Katastrophe in der Textilindustrie bisher: Im April stürzte in Sabhar in Bangladesch das Gebäude „Rana Plaza“ ein. Ein Tag vor dem Unglück waren von Behörden schon Risse in den Wänden entdeckt worden. Die Arbeiterinnen und Arbeiter mussten trotzdem ihren Dienst antreten. Die schreckliche Bilanz: Über 1.100 Tote und rund 2.500 Verletzte. In den Trümmern wurden Etiketten von Marken der Firmen Kik, Primark, Mango und Benetton gefunden.

Am 15. Mai unterzeichneten 31 Firmen das Abkommen für Gebäudesicherheit und Brandschutz für Bangladesch. Mehr als 1.000 Fabriken in Bangladesch sind damit Teil des Verbesserungsprogramms. Ein sensationeller Erfolg der Clean Clothes Kampagne. Petitionen und Medien-Berichte, für die JournalistInnen auf Erkenntnisse der Initiative zurückgriffen, erhöhten in der Zeit nach dem Gebäude-Einsturz den Druck auf die Textilfirmen. Entscheidend war dabei für Michaela Königshofer, Leiterin der Clean Clothes Kampagne Österreich, dass die Kampagne rasch reagierte: „Wir waren schneller als früher.“

Die internationale Initiative weist schon seit Jahren auf die schwierigen Bedingungen für Textilarbeiter und -arbeiterinnen in Bangladesch hin. Bereits im November 2012 waren 112 ArbeiterInnen bei einem Fabriksbrand gestorben. „1.250 Arbeiterinnen und Arbeiter sind in den vergangenen sechs Monaten in Bangladesch ums Leben gekommen, weil europäische und US-amerikanische Firmen untätig waren“, sagt Königshofer.

Die Clean Clothes Kampagne ist ein internationales Netzwerk mit 15 nationalen Plattformen. In Österreich wird die Initiative von 13 Organisationen getragen, darunter NGOs wie Global 2000, Jugend eine Welt und die Gewerkschaft PRO-GE. Koordiniert wird sie von der Südwind Agentur.

„Soviel öffentliche Aufmerksamkeit hatten unsere Themen in Österreich noch nie. Dieses Momentum versuchen wir zu nutzen“, sagt Königshofer. Die gebürtige Steirerin tauchte im April und Mai regelmäßig in Medien auf, in Zeitungen, im Radio und im TV, etwa als Studio-Gast in der ZIB 2. Ihr ging es dabei darum, neben dem Thema Sicherheit weitere problematische Aspekte bei der Textilproduktion bekannt zu machen. „Ein Kernthema ist die Forderung nach höheren Löhnen für die Arbeiterinnen und Arbeiter in Bangladesch.“

Tipp

Am 12.6., 20:30 Uhr, findet im Urania Kino in Wien die Premiere des Filmes „The hands, that sew your shirt“ über ein Projekt für bessere Arbeitsbedingungen in Bangladesch statt.

Im Anschluss an die Vorführung diskutiert Thomas Haunschmid (CARE Österreich, Filmemacher) u.a. mit Michaela Königshofer über die Frage, was KonsumentInnen tun können.

Dass das Interesse der Medien schnell auch wieder schwinden kann, ist Königshofer bewusst: „Um diese Intensität aufrecht zu halten, braucht man ‚neues Futter’. Aber wer will schon, dass diese Tragödie getoppt wird?“

Für die Ziele der Kampagne nutzte Königshofer die Katastrophe von Sabhar. Aber wie ging es ihr persönlich? „Nach Bekanntwerden des Gebäude-Einsturzes hatten wir von der Kampagne nicht viel Zeit zu denken“, erklärt Königshofer. „Es hat eine Woche gedauert, bis das alles eingesickert ist und uns klar geworden ist, was da wirklich passiert ist. Mit kleinen Gesten, etwa dem Aufstellen von Blumen und einer Kerze im Büro, trauern wir mit.“ 

Weitere Infos: www.cleanclothes.at

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