Werner Mackenbach (Hg.): Papayas und Bananen

Erotische und andere Erzählungen aus Zentralamerika.

Von Ursula Sova
Übersetzt vom Hg. Verlag Brandes & Apsel, Frankfurt a.M. 2002, 232 Seiten, € 19,90

Mit dem Erlöschen des allgemeinen politischen Interesses an dieser Region ist es auch um die Literatur still geworden. In diesem Buch werden das erste Mal Kurzgeschichten aus allen sieben – so verschiedenartigen – Ländern Mittelamerikas in deutscher Sprache vereint. Dementsprechend uneinheitlich sind Stil und Inhalt der Werke. Und doch geht es immer wieder auch um Liebe: Da schreibt Lizandro Chavez Alfaro aus Nicaragua noch recht klassisch von einer heimlichen Liebesnacht zweier Guerrilleros kurz vor dem Angriff, während andererseits seine junge Landsfrau Patricia Belli mit der Geschichte des zarten, eigenartigen Flügelwesens in „Narben“ eine schonungslos unillusorische Parabel auf das Wesen der Liebe schreibt. In „Der Eindringling“ erzählt Enrique Jaramillo Levi aus Panama auf berührende Weise die Auswirkungen des jahrelangen Exils auf eine Liebesbeziehung. Oder Julio Escotos (Honduras) traurig-erotisches „Warum aufbegehren?“, die Geschichte eines Mordes wegen Untreue, den die Sterbende in einen Selbstmord umwandelt.
Auch auf psychologischer Ebene hat sich in Zentralamerika in den letzten Jahren viel getan. Aus El Salvador lesen wir das modern geschriebene „Melissa: Spiele 1 bis 5“ der jungen Claudia Hernández, eine Aufarbeitung des Todes der Großmutter durch ein kleines Mädchen und „MAMA KELLER blues“, den dramatisch-experimentellen Text von Jacinta Excudos über eine hasserfüllte Tochter-Mutter-Beziehung.
Politik kommt auch vor, oft aber mehr als Kulisse für die Beschreibung persönlicher Befindlichkeiten, wie „Democrash“ des Guatemalteken Dante Liano, der das Gedränge vor der Wahlurne in einem stillen Monolog beschreibt. Auch das englischsprachige Belize ist in dem Buch vertreten. Evan X. Hyde beschreibt in „Weihnachtsgefühle“ die Wandlung eines abgebrühten Schürzenjägers, den zu Weihnachten unerwünschte Gefühle übermannen.
Insgesamt sind die bunt gemischten dreiunddreißig Geschichten aus Zentralamerika von großem sprachlichen Eindruck. Ein Drittel der Texte sind von Frauen – diese zählen meiner Meinung nach auch zu den spannenderen, experimentelleren. Der alte Machismo hat – zumindest nach innen hin – abgedankt, auch wenn die alten Rituale teilweise aufrecht bleiben. Lesenswert!

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen