Wetten, dass …

… die ÖsterreicherInnen mehr über Afrika erfahren wollen? Dabei empfiehlt es sich für heimische Medienhäuser, auf afrikanische JournalistInnen vor Ort zu bauen.

Von Martin Sturmer
Martin Sturmer

Haben Sie schon einmal von Vérone Mankou gehört? Nein? Das braucht Sie nicht weiter zu wundern. In österreichischen Medien ist der Name bislang nicht vorgekommen. Und das obwohl Mankou gerade an einer beispiellosen afrikanischen Erfolgsgeschichte schreibt. Der Unternehmer aus Brazzaville ist der Schöpfer des „Elikia“ – des ersten in Afrika entwickelten Smartphones. Seit November 2012 geht das Handy in der Republik Kongo weg wie warme Semmeln – ohne dass hierzulande davon Notiz genommen worden wäre.

Das Beispiel ist symptomatisch für den journalistischen Umgang mit Afrika. Der Kontinent interessiert in erster Linie dann, wenn die berüchtigten K-Themen auftauchen – K wie Kriege, Krisen, Katastrophen, Korruption, Kriminalität, Krankheit und Kapitalflucht. Erfolgsgeschichten aus Afrika? Eher die große Ausnahme als die Regel. Dabei braucht Afrika dringend eine faire Berichterstattung, um seine Entwicklungschancen wahrnehmen zu können. Denn die permanente Konfliktperspektive schadet vor allem der Wirtschaft des Kontinents. Wer möchte schon in Ländern investieren, die angeblich permanent an der Kippe zum nächsten Bürgerkrieg stehen?

Natürlich will ich die zahlreichen Probleme Afrikas nicht kleinreden. Vielmehr fordere ich eine Berichterstattung, die sich nicht nur auf die Schattenseiten beschränkt, sondern auch die vielen positiven Entwicklungen darstellt. Doch wie kann die aussehen? Wo kriselnde Medienhäuser doch Auslandsbüros schließen und sich die Zahl der deutschsprachigen Afrika-KorrespondentInnen auf einem historischen Tiefstand befindet? Die Antwort: Afrikanische JournalistInnen sollen selbst berichten.

In den vergangenen 20 Jahren hat der afrikanische Journalismus enorme Fortschritte erzielt. Profis wie Anas Aremeyaw Anas (Ghana), Mae Azango (Liberia), Mabvuto Banda (Malawi), Stanley Kwenda (Simbabwe) oder Rosebell Kagumire (Uganda) haben sich auch außerhalb des Kontinents einen hervorragenden Ruf erarbeiten können. Ihr Vorteil: Sie sind in ihren Heimatländern bestens vernetzt, kennen die örtlichen Gepflogenheiten und sind nahe an den Themen dran. Viele von ihnen sind bestens ausgebildete Multimedia-JournalistInnen, für die es keinen Unterschied macht, ob sie für Radio, TV, Online oder Print produzieren.

Österreichische Medien sind also gut beraten, die Zusammenarbeit mit afrikanischen JournalistInnen zu suchen. International geschieht dies längst – zum Beispiel bei Al Jazeera, Agence France-Presse oder Reuters. Doch haben Beiträge afrikanischer JournalistInnen hierzulande überhaupt eine Veröffentlichungschance? Ja! Für das Netzwerk Inter Press Service (IPS) berichten zurzeit etwa 130 JournalistInnen aus fast allen afrikanischen Ländern. Der wichtigste Abnehmer in Österreich sind die Salzburger Nachrichten. Bislang konnten in der Tageszeitung weit mehr als 150 Beiträge veröffentlicht werden – überwiegend als großformatige Artikel. Die Story über Vérone Mankou des geschätzten Kollegen Arsène Séverin aus Brazzaville hat bislang noch nicht interessiert. Aber das wird auch noch kommen. Wetten?

Martin Sturmer hat Afrikanistik und Kommunikationswissenschaft in Wien und Dar es Salaam studiert. Er betreibt die Nachrichtenagentur afrika.info. In seinem Buch „Afrika! Plädoyer für eine differenzierte Berichterstattung“ (UVK Verlag) tritt er für einen Perspektivenwechsel in der Afrika-Berichterstattung ein.

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