
Anfang Dezember eskalierte der Grenzkonflikt zwischen Kambodscha und Thailand erneut. Viele Menschen mussten in Notlager fliehen. Trotz einer anhaltenden Waffenruhe können sie bis heute nicht zurück in ihre Häuser.
Nur wenige Wochen nachdem beim ASEAN-Treffen in Malaysia unter Anwesenheit von US-Präsident Donald Trump ein Friedensabkommen unterzeichnet worden war, kam es Anfang Dezember 2025 erneut zu Waffengewalt im Grenzkonflikt zwischen Kambodscha und Thailand.
Beide Seiten warfen sich Gewaltausbrüche in der Region vor. In der Folge kündigte der thailändische Premierminister Anutin Charnvirakul das Friedensabkommen auf und ordnete am 7. Dezember Angriffe des thailändischen Militärs mit schweren Waffen auf kambodschanisches Gebiet an. Nach Angaben des Innenministeriums Kambodschas wurden rund eine halbe Million Menschen vertrieben: Darunter über 225.000 Frauen und knapp 135.000 Kinder.
Zudem meldete das Ministerium seit der Wiederaufnahme der Kämpfe 19 getötete Zivilist:innen sowie 78 Verletzte. Grundlegende öffentliche Dienstleistungen wie Verwaltung, Gesundheitsversorgung und Bildung wurden in den betroffenen Grenzprovinzen infolge der intensiven thailändischen Angriffe vollständig eingestellt.
Vertriebene, die in Richtung der laotischen Grenze flohen, sind seither aufgrund der abgelegenen Lage der Region im Nord-Osten des Landes mit einer erheblichen Nahrungsmittelknappheit konfrontiert. Viele ließen ihre erntereifen Reisfelder zurück und legten Strecken von mehr als 90 Kilometern zurück, um sichere Orte zu erreichen. Zahlreiche Familien konnten weder ausreichend Kleidung noch Lebensmittel oder andere Vorräte mitnehmen.
Prekäre Situation in Lagern
Mitarbeitende des Women’s Media Centre of Cambodia, das seit über 30 Jahren einen lokalen Radiosender mit dem Schwerpunkt Frauen und Gendergerechtigkeit betreibt, haben Betroffene interviewt und ihre Lage dokumentiert.
Nhel Sophai aus dem Bezirk Choam Khsant berichtete ihnen, dass Artillerie in der Nähe ihres Hauses eingeschlagen sei. Danach floh sie mit ihren Kindern und Enkeln auf einem Motorrad – ohne Lebensmittel. Unterkunft und Nahrung fanden sie schließlich in einem der Notlager. Auch dort werden die Ressourcen knapp. Außerdem mussten einige aus Sicherheitsgründen verlegt werden, was insbesondere für ältere und körperlich eingeschränkte Menschen problematisch ist.
Zum Beispiel für den 75-jährigen Khut Bunly. Er erklärte, nicht in ein anderes Lager umziehen zu wollen, da er Schwierigkeiten beim Gehen habe.
Im Sicherheitszentrum Kampong Sangkae leben bis heute fast 800 Familien, die sich etwa zehn Toiletten teilen müssen. Der Großteil der Bewohner:innen sind Frauen.
In einem benachbarten Lager wurde die 18-jährige Yeun Sandy mit ihrem wenige Tage alten Neugeborenen angetroffen. Sie hatte nach einer langen Flucht entbunden und kehrte kurz darauf in das Lager zurück. Medizinische Versorgung steht ihr nicht zur Verfügung.
Anhaltender Frieden unsicher
Bis zu Redaktionsschluss (Ende Jänner) wurde die vereinbarte Feuerpause eingehalten. Weitere Schritte in Richtung Frieden werden voraussichtlich erst nach den Wahlen in Thailand im Februar unternommen werden können. Bis dahin habe beide Regierungen betont, über bilaterale Kanäle, wie etwa die Joint Boundary Commission, deeskalierende Maßnahmen zu ergreifen und schwere Waffen von der Grenze abzuziehen. Bis dato können die meisten Vertriebenen wegen Blindgängern und der umfangreichen Zerstörung aber noch nicht zurück in ihre Häuser.
Kim Chanchav und Robin Eberhardt arbeiten bei der NGO Women’s Media Centre of Cambodia mit Sitz in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. Dieses betreibt seit über 30 Jahren einen Radiosender und produziert lokale Nachrichten mit dem Schwerpunkt Frauen und Gendergerechtigkeit. Zudem setzen sie sich in einem schwierigen Umfeld für die Pressefreiheit ein und bildet eigene Journalist:innen und Bürgerjournalist:innen in den Provinzen aus.
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