Wie fair ist das „Fairphone“?

Das Ergebnis ist ernüchternd, aber der Wille ist da: Wie eine Mitarbeiterin der Clean-IT-Kampagne das „Fairphone“ bewertet.

Von Regina Joschika
Regina Joschika

Sein Name verspricht viel: „Fairphone“. Weihnachten 2013 wurden die ersten dieser besonderen Smartphones an ihre BesitzerInnen ausgeliefert. 25.000 Stück Fairphones wurden bisher verkauft. InteressentInnen haben über Crowdfunding die Produktion des Smartphones vorfinanziert. Nur: Hält es, was sein Name verspricht? „Nein“, geben seine holländischen InitiatorInnen offen zu. Das Fairphone sei „weit entfernt von fair“. Technisch sei es nur durchschnittlich gut und dafür etwas zu teuer, sagen KritikerInnen. Noch ernüchternder fällt jedoch die soziale Bilanz aus: Nur zwei von den rund 30 Rohstoffen, die in einem Fairphone verarbeitet sind, konnte das Unternehmen letztlich aus konfliktfreien Minen beziehen: Nachweiszertifikate belegen, dass Zinn für die Lötpaste sowie Tantal für die Kondensatoren aus Minen in der Demokratischen Republik Kongo kommen, mit denen keine bewaffneten Konflikte finanziert werden. Die Herkunft der 28 anderen Rohstoffe konnte Fairphone nicht genau identifizieren.

Im Fertigungsbetrieb sollten, so der Plan, faire Arbeitsbedingungen herrschen. A`Hong, ein Betrieb in China, war bereit, die Produktion der für die Branche unüblich geringen Stückzahl durchzuführen und dabei Audits, also Untersuchungen der Arbeitsprozesse, zuzulassen. Anstatt eines existenzsichernden Lohns wird jedoch bisher nur der gesetzliche Mindestlohn ausbezahlt, der in vielen Fällen nicht ausreicht, die Grundbedürfnisse der ArbeiterInnen und ihrer Familien abzudecken. Maximal 60 Arbeitsstunden pro Woche liegen zwar unter dem Branchenschnitt, sind jedoch laut chinesischem Arbeitsrecht immer noch ungesetzlich.

Von jedem verkauften Fairphone fließen vier Euro in einen Fonds, mit dem weitere Verbesserungsmaßnahmen im Betrieb umgesetzt werden sollen. Über die Verwendung des Geldes können dabei die ArbeiterInnen mitbestimmen. Ein erster Schritt in Richtung gewerkschaftlicher Strukturen? Sebastin Jekutsch vom Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FifF) ist skeptisch. Eine gewerkschaftliche Vertretung mit fortdauernden kollektiven Verhandlungen ersetze das keineswegs, ist der Experte überzeugt.

In puncto Recycling macht Fairphone einiges – das Gehäuse des Smartphones besteht etwa aus gebrauchtem Kunststoff. Zukünftig soll ein Rücknahmeprogramm verhindern, dass Fairphones auf E-Waste-Halden in Afrika landen.

Fazit: Das Fairphone ist nicht wesentlich „fairer“ als viele andere Handys. Die Initiative gibt aber eine positive Richtung vor. Und: Sie hat eine wichtige öffentliche Diskussion in Gang gebracht und könnte damit als Vorbild für die großen Player der Branche dienen.

Als das kleine Fairphone-Team 2010 startete, war klar, dass es nicht von heute auf morgen ein wirklich „faires“ Smartphone produzieren lassen kann. Aber an ihrer Vision halten die InitiatorInnen fest. Ich bin gespannt, ob das Fairphone seinem Namen in Zukunft noch gerecht werden kann.

Regina Joschika ist Mitarbeiterin der Clean-ITKampagne, die sich für faire Arbeitsbedingungen in der weltweiten Elektronikindustrie einsetzt.

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