Wilhelm Hofmeister (Hg.): „Gebt mir einen Balkon und das Land ist mein“

Von Ralf Leonhard ·

Politische Führung in Lateinamerika.

Vervuert Verlag, Frankfurt/Main 2002, 399 Seiten, € 24,-

Rogelio Hernández Rodríguez belegt, wie das eingespielte System in Mexiko jahrzehntelang ohne starke Führerfiguren auskam. Für die Präsidentschaft qualifizierte man sich durch den systemkonformen Dienst in der öffentlichen Verwaltung. Nur wer dem Präsidenten gegenüber Gehorsam zeigte, hatte Aussicht auf politischen Aufstieg. Dabei war lange Jahre gewährleistet, dass im Kabinett nicht nur die Freunde und Vertrauten des jeweiligen Präsidenten vertreten waren, sondern auch andere Gruppen innerhalb der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI).
Dinorah Azpuru vertritt die These, dass die gegenwärtige Demokratie- und Strukturkrise Guatemalas nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass die politische Elite in den späten 70er und frühen 80er Jahren physisch eliminiert wurde. Aus einem Militärregime kann sich nicht einfach durch Einhaltung eines Wahlrituals eine demokratische Gesellschaft entwickeln. Während die Parteien größtenteils Wahlvereine sind, die nach dem Abgang des jeweiligen Anführers verschwinden, zeigen Organisationen, die der Armee unterstellt sind, wie die Selbstverteidigungspatrouillen oder das Netz der Comisionados Militares Bestand und können wahlentscheidend sein. Wie Umfragen belegen, traut die Bevölkerung der Kirche, den Medien und sogar der Armee viel eher die Lösung der Probleme des Landes zu als den Parteien und deren Abgeordneten.
Die Beiträge der lateinamerikanischen WissenschaftlerInnen, die sich außerdem noch mit den jüngeren Entwicklungen politischer Herrschaft in Venezuela, Peru, Ecuador, Paraguay, Bolivien, Argentinien und Brasilien befassen, wurden auf einem Seminar der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung im Dezember 2000 in São Paulo vorgetragen und von Wilhelm Hofmeister kompiliert. Leider wurde offenbar beim Lektorat gespart, denn die Fülle an Grammatik- und Orthographiefehlern macht die Lektüre des inhaltlich durchaus lesenswerten Bandes stellenweise zu einem Ärgernis.

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