William Easterly: Wir retten die Welt zu Tode

Für ein professionelleres Management im Kampf gegen die Armut

Von ki
Verlag Campus, Frankfurt, New York 2006, 388 Seiten,EUR 25,60

Eines sei gleich zu Beginn klargestellt: Hier ist nicht die Rede von einer plumpen Polemik, wie die ungeschickte deutsche Übersetzung des englischen Titels vermuten lassen könnte („The White Man’s Burden. Why the Wests’s Efforts to Aid the Rest Have Done so Much Ill and So Little good“).
Easterly ist Professor für Wirtschaft und Afrikastudien an der Universität von New York und langjähriger Mitarbeiter der Weltbank. Und er plaudert aus der Schule. Schonungslos legt er dar, dass die Entwicklungshilfeanstrengungen der letzten 60 Jahre wenig zur Verbesserung der Lebenssituation der Armen auf der Welt beigetragen haben. Fazit: Es geht nicht darum, die Entwicklungshilfe abzuschaffen, sondern dafür zu sorgen, dass sie auch ankommt.
Easterly befolgt den US-amerikanischen Wissenschafts-Brauch der plakativen Theorie. Dabei wird manchmal ein grober Keil an fein gewirktes Material angesetzt, um das „eine große Argument“ durchzubringen: In seinem Fall die Teilung der Welt (der Entwicklungszusammenarbeit) in „Sucher“ und „Planer“. Alle Individuen und Institutionen, die in das Unterfangen „Entwicklung“ involviert sind – von einzelnen Geschäftsleuten bis zu ganzen Staaten –, sind entweder der einen oder der anderen Kategorie zuzuordnen.
PlanerInnen gehen von oben, von außen an eine Sache heran, sind für ihr Handeln nicht persönlich rechenschaftspflichtig, bekommen oder wollen kein Feedback der „Empfänger der Hilfe“. SucherInnen gehen mit offenem Ergebnis an die Sache, lernen aus Erfahrungen, was funktioniert und was nicht, tragen für ihr Tun die Verantwortung.
Laut Easterly müsse auf der Welt dringend Macht von den Planern zu den Suchern umgeschichtet werden.
Ob man Sucher oder Planer ist, sei keine Frage der Ideologie, sondern der Herangehensweise. So bekommen alle ihr Fett ab: ob Weltbank, Entwicklungshilfebürokratien, die US-Außenpolitik oder VerfechterInnen des freien Marktes, die diesen „von oben“ herzustellen versuchen. Easterly garniert seine streckenweise abstrakten makroökonomischen Analysen lesefreundlich mit Anekdoten, Lebensgeschichten und historischen Abrissen.
Bei aller Fülle an Zahlen und Fakten appelliert Easterly letztendlich an etwas zutiefst Menschliches: an die Haltung oder Einstellung des Menschen (Demut!) sowie an Verantwortung und Selbstkritik des lernenden Wesens.

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