Wo bleibt der Hausverstand?

Ölpest, Grubenunglücke, Klimaschäden – die Gewinnung fossiler Brennstoffe ist eine Serie von Katastrophen für Mensch und Umwelt. Wieso ist es denn so schwierig, die globale Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen?

Von Werner Hörtner

Seit vielen Jahren gelangen durch spektakuläre Unglücksfälle riesige Mengen Erdöl in die Meere, in die Umwelt. Zuletzt nach der Explosion einer Bohrinsel im Golf von Mexiko. Eine echte Regeneration der dadurch zerstörten Ökosysteme benötigt Jahrzehnte. Der zweite Sonntag im Mai ist nicht nur Muttertag, sondern auch der Internationale Zugvogeltag. Millionen von Zugvögeln haben zur Zeit ihr Brutgeschäft im Golf von Mexiko begonnen. Viele sterben nun eines qualvollen Todes. Ab und zu sehen wir das Foto eines ölverschmierten Vogels in den Medien.

Immer wieder Meldungen von Kohlegrubenunglücken, vor allem aus China, Russland und den USA. Dutzende Minenarbeiter ersticken qualvoll in ihrem verschütteten Stollen. In der zweiten Maiwoche ereilte an die 90 Bergleute im größten Kohlebergwerk Russlands dieses Schicksal.

Über die Schäden bei der Gewinnung fossiler Energieträger sind schon ganze Bücher geschrieben worden. Sie sind auch wichtige Mitverursacher bei der globalen Erwärmung. Und in 40 Jahren etwa werden die vorhandenen Erdölreserven erschöpft sein.

Der Film „Die 4. Revolution“ von Carl-A. Fechner zeigt auf eindrucksvolle Weise auf, wie die Energieversorgung weltweit in relativ kurzer Zeit und zu erschwinglichen Kosten auf erneuerbare Energie umgestellt werden könnte. Diese Zielvorgabe sei zu idealistisch, meinen einige. Sie sei sicherlich umsetzbar, würde der Staat mit seinen Regulierungsmöglichkeiten die entsprechenden Vorhaben fördern, sind andere überzeugt.

Wo ein Wille … Die südburgenländische Stadt Güssing hat allen Zweiflern gezeigt, dass ihr Konzept einer Selbstversorgung des Bezirks mit Strom, Wärme und Treibstoff mit ausschließlich in der Region nachwachsenden Rohstoffen umsetzbar ist. Vor wenigen Monaten wurde die erfolgreiche Umstellung auf hundertprozentig erneuerbare Energieträger bekanntgegeben. Energieautarkie total: Güssing zeigt, dass die 4. Revolution auch bei uns möglich ist, trotz der vielen erdöl- und kohle- und atomkraftverseuchten Gehirne.

Eine Fachtagung zum Thema „Erneuerbare Energien“ Anfang Mai in Wien ist zum Schluss gekommen, dass Österreich bis zum Jahr 2020 den Anteil erneuerbarer Energiequellen auf 50 Prozent steigern könnte, in einigen Bereichen, wie etwa der Stromversorgung, auf nahezu 100%. Ein entsprechender Aktionsplan verschiedener Verbände existiert bereits. Neben den umweltpolitischen Vorteilen würden dadurch auch 150.000 Arbeitsplätze geschaffen. Außerdem: der Devisenabfluss für Energieimporte würde stark verringert, rund 25 Millionen Tonnen CO2 würden eingespart werden. Und wenn nun die Europäische Union einen ebensolchen Aktionsplan aufstellt und ihren Mitgliedern verbindlich empfiehlt?

Wieso arbeiten die politischen EntscheidungsträgerInnen nicht nachdrücklicher an dieser Lösung, die in verschiedenster Hinsicht viele Vorteile bringen würde? Ist es vielleicht möglich, dass Energieträger wie Wind, Sonne, Gewässer, Geothermik nicht genügend Profit bringen, da sie kostenlos und praktisch unbegrenzt verfügbar sind und dezentral genutzt werden können? Und wieso sind gerade die großen Energiekonzerne mit ihren Milliardengewinnen die größten Gegner der Entwicklung erneuerbarer Energiequellen?

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