Wofür engagieren Sie sich?

Von Christina Schröder · ·
Porträt von Parissima Taheri-Maynard und Farah Saad, Leiterinnen von Wir sind auch Wien
Parissima Taheri-Maynard und Farah Saad, Leiterinnen von Wir sind auch Wien © Esther Abiona Ojo

Safer Space für von Diskriminierung betroffenen Personen

“Es war mir wichtig, die Überschneidungen von Rassismus, sozialer Gerechtigkeit und psychischer Gesundheit zu erforschen und dabei die Heilung von Einzelpersonen und Gemeinschaften in den Mittelpunkt zu stellen.“, sagt die Psychologin Parissima Taheri-Maynard über die Motivation den Verein Wir sind auch Wien zu gründen.

Seit 2018 zentriert Wir sind auch Wien als einziges derartiges Zentrum die psychosoziale Gesundheit von BIPoC (Schwarzen, Indigenen und People of Colour). Die Angebote umfassen Einzel- und Gruppenberatungen speziell für BIPoC und von rassistischer Diskriminierung betroffene Menschen. Zudem werden Schulungen, Fortbildungen, Workshops und Keynotes abgehalten. „Unser Ziel ist es, dass psychosoziale Dienstleistungen in Anspruch genommen werden können, ohne abwägen zu müssen, ob rassistischer Schaden entsteht. Wir wünschen uns eine gleichberechtigte und sicherere Versorgungslandschaft für alle marginalisierten Personen,“ sagt Farah Saad, Co-Leitung, Klinische Sozialarbeiterin und Sozialtherapeutin über die Wichtigkeit des Erwerbs rassismuskritischer psychosozialer Kenntnisse. Beide arbeiten deshalb auch in der Lehre an der Fachhochschule Campus Wien, an der Universität Wien im Masterstudiengang Psychologie und im psychotherapeutischen Propädeutikum.

Raum und Bildung.
Außerdem entstanden im Wir sind auch Wien-Zentrum im 20. Wiener Gemeindebezirk geschützte Räume für Selbstfürsorge und Treffen, bei denen sich Menschen zu Themen wie Diaspora, Identität und rassistisch bedingte Traumata austauschen.
Seit 2020 werden Supervisionen und Coaching für psychosoziale Fachkräfte, „White Ally Coachings“ (Beratung für weiße Verbündete) sowie Organisationsberatung, Mediation und Leitungscoaching geboten. Der Grund: „Es gibt auch eine institutionelle Verantwortung, denn durch die De-Thematisierung von Rassismus in Ausbildungen und Institutionen werden Fachkräfte nicht ausreichend darauf vorbereitet, Rassismus als relevante Dimension psychosozialer Gesundheit zu erkennen – und laufen Gefahr, rassistische Erfahrungen zu übersehen, zu individualisieren oder durch ihre eigene professionelle Praxis sogar zu reproduzieren“, sagt Taheri-Maynard. Ihr Ziel und Wunsch für die Zukunft: Dass psychische Gesundheit für alle mitgedacht wird.

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