Wolf im Schafspelz

Von Irmgard Kirchner
Entwicklungshilfe ist keine Priorität der reichen Länder mehr, klagte Weltbankpräsident James Wolfensohn kürzlich bei einer Konferenz in Belgien. Kredite der heuer 60 Jahre alten Weltbank sind die wichtigste Finanzierungsquelle für „Entwicklung“. Sie bemüht sich um Kohärenz, um eine fördernde Abstimmung zwischen den einzelnen Geberländern, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Welthandelsorganisation WTO. Oberste erklärte Ziele der Weltbank sind nachhaltige Entwicklung und Armutsbekämpfung. So der schöne Schein.
Die Weltbank, die meist in einem Atemzug mit ihrer „Schwesterinstitution“, dem IWF, genannt wird, steht seit etwa einem Vierteljahrhundert im Kreuzfeuer der Kritik in der entwicklungspolitischen Szene. Weltbank und IWF sind mächtig wie eine Art Weltregierung, dabei aber demokratisch nicht legitimiert, wenig umweltsensibel und verfolgen eine beinharte neoliberale Politik, die sich katastrophal auf die Schwächsten in den Gesellschaften auswirkt. Und dabei sind ihre Projekte - zu diesem Schluss kommt die Weltbank auf Grund interner Evaluierungen selbst - in der Mehrzahl nicht einmal erfolgreich.

Es gibt Berichte und Untersuchungen, die einzelne Arbeitsfelder der Weltbank kritisieren, etwa ihr Engagement im Rohstoffbereich (siehe SÜDWIND-Magazin 6/2004, Seite 24). Manche KritikerInnen halten Weltbank und Internationalen Währungsfonds ihrem Wesen nach für unreformierbar.
Auf den folgenden zehn Thema-Seiten, die wir von unserer Partnerzeitschrift New Internationalist übernommen haben, wird diese Fundamentalkritik geäußert und der Bank eine Lernfähigkeit grundsätzlich abgesprochen. Brisant: Einer der schärfsten Kritiker von Weltbank und IWF kommt aus den eigenen Reihen: der ehemalige Chefökonom der Weltbank, Nobelpreisträger Joseph Stiglitz (siehe Interview auf Seite 34). Was den IWF angeht, kommt Stiglitz zum Schluss, dass dieser schlicht im Interesse des westlichen Kapitals handle.

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