Wolfgang Kos empfiehlt: Laurence Revey „Le Creux des Fées/ Le Cliot di Tserafouin“

Von Wolfgang Kos ·

Weltmusiktip von Ö1 und SÜDWIND

Laurence Revey „Le Creux des Fées/ Le Cliot di Tserafouin“
(Muve Recordings/Musikvertrieb AG Zürich. Österreichvertrieb: Musica)

Entlang der Rhône, die zwischen Viertausendern entspringt und bei Marseille ins Mittelmeer mündet, wird (nach einem deutschsprachigen Beginn im Oberwallis) Französisch in vielen Farbtönen gesprochen und gesungen. Merkwürdigerweise gibt es Ähnlichkeiten zwischen dem altertümlichen regionalen Patois im hochalpinen Wallis und dem alten und verdrängten Okzitanisch Südfrankreichs. Ich weiß das natürlich nur vom Hörensagen, denn wer kennt sich in Wien schon mit Feinheiten der Suisse Romande aus. Und auch in punkto CD-Neuerscheinungen erscheinen uns Kuba oder Mali näher als der Westen unseres westlichen Nachbarlands.

Also: Der lokalsprachliche Titel der CD der Sängerin Laurence Revey lautet „Le Cliot di Tserafouin“. Auf Französisch heißt sie „Le Creux des Fées“ – „Die Grotte der Feen“. Es handelt sich um ein realitätshältiges Feenmärchen aus der Gegend von Chermignon, das am Ende der CD ein alter Mann erzählt: Mit Hilfe ihrer Feenschwestern soll es einer mit einem reichen Landbesitzer verheirateten Fee einst gelungen sein, dessen Getreideernte vor einem Hagelsturm zu retten. Damit bewahrte sie ein ganzes Dorf vor dem drohenden Hungertod.

Laurence Revey präsentiert vor allem Volkslieder, die sie zum Teil seit ihrer Schulzeit kennt – jedoch von einer dezidiert zeitgenössischen ästhetischen Haltung her. Ihre ätherische Schwebestimme, manchmal zu Chorbündeln gemischt, steht mit der Stille im Dialog.

Die Gesänge werden sehr räumlich inszeniert, und zwar mit zart gesetzten Effekten: Ein paar Mal fungiert der belgische Ambient-Elektroniker Hector Zazou als Sound-Regisseur, ein paar Mal hört man minimalistische Interventionen des Perkussionisten Ivo Abadi, zwischendurch tritt auch eine lokale Blaskapelle auf. Auch dörfliche Kirchgänger haben atmosphärische Auftritte. Vor allem aber sind es die Symbole heidnischer Lebensweise und eines mythischen Verhältnisses zur Natur, die Laurence Revey interessieren. Spröder Wohlklang mit gelegentlichen New-Age-Ausflügen.

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